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Mehr Unternehmertum wagen! : Chancen der digitalen Transformation nutzen
Entstehung
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Wirtschaft und Politik Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung April 2015 Carlo Velten Mehr Unternehmertum wagen! Chancen der digitalen Transformation nutzen Trotz guter Rahmenbedingungen liegt das Gründungsgeschehen in Deutschland weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Die Chancen des digitalen Wandels können aber nur genutzt werden, wenn mehr unternehmerisches Engagement aktiviert wird. Hierzu müssen großangelegte In­vestitionsprogramme gefahren, Finanzierungsbedingungen verbessert, Märkte geöffnet und die Sozialsysteme durchlässiger werden. Für die Politik muss daher gelten Mehr Unterneh­mertum wagen! Das digitale Zeitalter Beginn einer neuen Gründerzeit? Mit der Digitalisierung der Prozesse, der Geschäftsmodelle und der Wertschöpfungsnetze in nahezu allen Branchen, ergeben sich für Unternehmensgründer eine Vielfalt an neuen Betätigungs- und Marktchancen. Da etablierte Un­ternehmen die Möglichkeiten des mobilen Internets und der neuen Technologien wie z. B. Cloud Computing, In­ternet der Dinge, Big Data etc. meist nur unzureichend zu nutzen wissen, kommt jungen Technologie- und In­ternetfirmen im derzeitigendigitalen Wandel eine ele­mentar wichtige Rolle als Innovator undErneuerer der Volkswirtschaft zu. So revolutionieren speziell US-amerikanische Internetun­ternehmen viele klassische Industrien vom Buchhandel (Amazon), über das Hotelgewerbe(AirBnB) bis zum öf­fentlichen Nahverkehr(Uber). Auch in industriell gepräg­ten Branchen werden die Regeln derzeit neu definiert. So verändern erneuerbare und dezentrale Energien und das Internet der Dinge den Automobilbau(Elektroautos und autonomes Fahren), die Landwirtschaft erwirtschaf­tet mittels optimierter Wetter- und Geo-Daten höhere Er­träge und in der Logistik verbessern Sensoren und neue Analyseverfahren die Effizienz auf Schiene und Straße. Mit derDigitalen Agenda 2014-2017 hat die Bundes­regierung demonstriert, dass sie den digitalen Wandel und seine Auswirkungen auf die deutsche und europäi­sche Wirtschaft erkannt hat. Die Rolle von Startups wurde entsprechend hervorgehoben und das Ziel verkündet, die Anzahl der Gründungenvon heute ca. 10.000 jährlich kontinuierlich auf ca. 15.000 jährlich zu steigern. Hierzu wurden erste Vorschläge unterbreitet, wie dieser Prozess unterstützt und vorangetrieben werden kann. Aus Perspektive des Managerkreises ist es essentiell, den abgesteckten Rahmen möglichst schnell mit Leben, sprich mit konkreten Programmen und Initiativen zu füllen. Denn Deutschland hinkt sowohl im Hinblick auf die allgemeine Entrepreneurship-Kultur als auch im Hinblick auf seine Gestaltungskraft im globalen digitalen Wandel noch deut­lich hinter den USA und anderen Regionen hinter her. Auch muss eine deutlich differenziertere und ernsthaftere Debatte zum Thema Unternehmensgründung und unter­nehmerische Verantwortung in den Parteien und Frakti­onen geführt werden. Nur so lassen sich Konzepte und Strategien zur langfristigen Förderung einer neuen Unter­nehmerkultur entwickeln und umsetzen. Leider kratzen die derzeitigen Vorschläge meist nur an der Oberfläche und wärmen Vieles auf, was schon in den vergangenen zehn Jahren nur unzureichend funktioniert hat. Deutschland verfügt über gute rechtliche Rahmenbe­dingungen für Unternehmensgründungen. Mehr als 50 Professor_innen lehren Entrepreneurship an deutschen Universitäten und Fachhochschulen. Die aktuelle Gene­ration der Internet-Startups schafft Vorbilder und einen neuenGründer-Spirit. Nun gilt es, diesen zu nutzen, um die Gründungsaktivität nachhaltig zu steigern und Über den Autor: Dr. Carlo Velten ist Senior Analyst und Vorstandsvorsitzender der Crisp Research AG, er ist stellvertretender Sprecher des Managerkreises und leitet die Arbeitsgruppe Digitale Wirtschaft und Gesellschaft des Managerkreises.