Impulse für gerechte Verhältnisse in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft #02 März 2015 Inside the Gap 2/3: Zeit für Familie und Beruf – Was Mütter und Väter wollen Fragen der Arbeitszeitpolitik stehen aktuell weit oben auf der politischen Agenda. Ein Grund hierfür ist, dass immer häufiger Zeitkonflikte bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie auftreten. Die dominante Familienkonstellation – ein Haupternährer, plus Zuverdienerin – entspricht in vielen Fällen nicht mehr den Bedürfnissen. Viele Väter wünschen sich mehr Zeit für Kinder; Frauen wollen sich stärker beruflich engagieren. Auch die doppelte Vollzeit verspricht hier keine Lösung. Mit Blick auf die Arbeitszeitwünsche gehen wir daher der Frage nach: Was wollen Frauen und Männer, Mütter und Väter? Dabei zeigt sich ein großer Wunsch nach einer partnerschaftlichen Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit. Unsere Arbeitswelt verändert sich rasant. Treiber sind gesellschaftliche Megatrends: der demografische Wandel, die fortschreitende Digitalisierung sowie der Wandel der Geschlechterrollen und Familienmuster. Wie diesem Wandel begegnet werden kann, ist eine zentrale Frage, die Politik, Gewerkschaften und Arbeitgeber umtreibt. Gerade hat das Bundesarbeitsministerium ein Grünbuch unter dem Titel„Arbeiten 4.0“ veröffentlicht, das sich der Arbeit der Zukunft widmet; hier ist ein ganzes Kapitel dem Thema Arbeitszeitpolitik(3.2.: Erwerbsarbeit oder individueller Lebensrhythmus – Wer gibt den Takt vor?) gewidmet. Auch im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wird laut über neue Arbeitszeitmodelle für Menschen mit Fürsorgeverantwortung(„Familienarbeitszeit“) nachgedacht. Fragen der Arbeitszeitpolitik stehen also weit oben auf der politischen Agenda, und auch in der Öffentlichkeit nimmt die Debatte Fahrt auf. Von einer„überforderten Generation“ sprechen beispielsweise die Soziologen Bertram und Deuflhard in ihrem jüngst erschienenen, vielbeachteten Buch(„Die überforderte Generation. Arbeit und Familie in der Wissensgesellschaft“). Mit diesem Begriff spitzen sie ihre These von der„Rush-Hour“ des Lebens zu – gemeint ist die Zeit zwischen 30 und 45 – die schon im siebten Familienbericht der Bundesregierung Erwähnung fand. In vielen Familien gibt es mittlerweile zwei berufstätige Partner und auch die Kindererziehung nimmt immer mehr Zeit in Anspruch. Hinzu kommen lange Ausbildungswege und ausgedehnte Phasen des Berufseinstiegs(Stichwort: Generation Praktikum), wodurch die Phasen der beruflichen Etablierung und der Familiengründung vielfach ineinander fallen. Die hierdurch für das Individuum entstehenden Konflikte zwischen beruflicher Karriere und Familiengründung können nicht im Interesse einer Gesellschaft sein. Oftmals wird die ohnehin schon hohe Belastung noch weiter dadurch erhöht, dass ein Elternteil pflegebedürftig wird. Die Zeitkonflikte im Alltag betreffen insbesondere Frauen, die zumeist den Großteil der Erziehungs- und Pflegearbeit übernehmen und zudem immer stärker zum Familieneinkommen beitragen(müssen). Aber auch immer mehr Männer wollen Sorgeverantwortung übernehmen und kommen in ihrem Alltag an die Grenzen der Vereinbarkeit. Vor diesem Hintergrund haben Fragen der Arbeitszeitpolitik auch wieder stärker in Arbeitskämpfe Eingang gefunden und in der Tarifpolitik von Gewerkschaften an Bedeutung gewonnen. Doch was wollen Frauen und Männer/ Väter und Mütter eigentlich? Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Eine Zeitfrage Betrachtet man die Ergebnisse von aktuellen Umfragen – beispielsweise des Monitors Familienleben –, bestätigt sich zunächst einmal, dass die befragten Frauen und Männer Probleme bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sehen. Mehr als zwei Drittel der Befragten schätzen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie in Deutschland als„nicht so gut“ ein. Bei den Eltern sind es 70 Prozent, bei den befragten Müttern sogar 75 Prozent. Am ausgeprägtesten ist die Problemwahrnehmung bezüglich der mangelnden Vereinbarkeit dabei in Haushalten mit einem Nettoeinkommen unter 3000 EUR pro Monat und bei nicht berufstätigen Müttern, die zu 59 Prozent angeben, dass sie gerne berufstätig wären. Zieht man die Ergebnisse weiterer Studien heran, so kristallisiert sich insbesondere ein Zeitproblem heraus. 61 Prozent der Väter(23 Prozent häufig und 38 Prozent gelegentlich) und 73 Prozent der Mütter(21 Prozent häufig und 52 Prozent gelegentlich) haben Probleme damit,„Beruf und Familie unter einen Hut Die Autor_innen: Barbara König ist Geschäftsführerin des Zukunftsforum Familie e. V.. Jonathan Menge und Christina Schildmann arbeiten für die FriedrichEbert-Stiftung zu familienund geschlechterpolitischen Fragen.
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten