Druckschrift 
Aufbruch oder Stillstand in der Berufsbildungspolitik? : Die neue Allianz für Aus- und Weiterbildung
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Juli 2015 Analysen und Konzepte zur Wirtschafts- und Sozialpolitik direkt Aufbruch oder Stillstand in der Berufsbildungspolitik? Die neue Allianz für Aus- und Weiterbildung Marius R. Busemeyer Auf einen Blick Im Dezember 2014 wurde von Vertretern des Bundes, der Länder, der Wirtschaft und der Gewerkschaften die neueAllianz für Aus- und Weiterbildung ins Leben gerufen. Die Allianz stellt einen signifikanten Fortschritt gegenüber den bisherigen Ausbildungspakten dar, nicht nur, weil endlich auch Gewerkschaftsvertreter beteiligt sind, sondern auch, weil die Allianz neue Ansätze in der Ausbildungspolitik fördern will, wie zum Beispiel dieassistierte Ausbil­dung. Dennoch hat das Steuerungsmodell der Allianz auch Nachteile und kann notwendige strukturelle Reformen im deutschen Berufs­bildungssystem nicht ersetzen. In Zeiten steigender Jugendarbeitslosigkeit in vielen Ländern Europas wird das deutsche Berufsbildungs­system, und hier insbesondere das Modell der dua­len Ausbildung, in öffentlichen Debatten gern als Reformmodell angepriesen. Bei näherer Betrachtung werden jedoch auch strukturelle Schwächen des deutschen Berufsbildungssystems offensichtlich, 2 die unter anderem mit der Abhängigkeit des Ausbil­dungsplatzangebots von Marktkräften konkret: der Bereitschaft der Arbeitgeber, Auszubildende einzu­stellen zusammenhängen. In den letzten Jahren und Jahrzehnten und zwar bereits vor der Krise waren verschiedene langfristige Entwicklungstrends zu beobachten: Ein Teil der Arbeitgeberschaft ins­besondere kleine Betriebe ziehen sich graduell aus der Ausbildung zurück. Hinzu kommen zunehmende Matching-Probleme: Angesichts steigender inhalt­licher Anforderungen in der Berufsbildung beklagen Arbeitgeber fehlende schulische Vorqualifikationen und mangelnde soziale Kompetenzen bei einem Teil der Jugendlichen. Diese Entwicklung wird durch star­ke regionale Unterschiede im Ausbildungsplatzange­bot verstärkt. Außerdem sind bestimmte Berufe im Handwerk oder der einfachen Dienstleistungen(z. B. Hotel- und Gaststättengewerbe) bei Jugendlichen nicht besonders beliebt, was mit Problemen in der Ausbildungsplatzqualität und fehlenden Berufs­perspektiven zu tun haben könnte. Aus diesen Gründen kommt es inzwischen zu der scheinbar