DIE KR K A LEI F NE T N D O ER RTE August 2015 Prof. Dr. Siegfried Bauer Leben fern der großen Städte hat seine eigenen Reize und Vorteile. Die ländlichen Räume in Hessen weisen teilweise eine hohe Lebens- und Wohnqualität auf. Viele Bürgerinnen und Bürger haben einen ausgeprägten Heimatbezug. Sie fühlen sich mit ihrer Gemeinde, ihrem Dorf eng verbunden, leben gerne auf dem Land und wollen dies auch in Zukunft tun. Die Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme ist deshalb groß und bürgerschaftliches Engagement und Gemeinschaftssinn sind nach wie vor weit verbreitet. In vielen ländlichen Regionen überwiegen aufgrund von demografischem, wirtschaftlichem, technologischem und gesellschaftlichem Wandel jedoch die Schrumpfungsprozesse. Nachhaltig prägend für viele ländliche Regionen ist der seit einigen Jahren zu beobachtende Bevölkerungsrückgang. Neben der zunehmenden Alterung der Bevölkerung ist insbesondere die Abnahme der Landbevölkerung bedeutsam. Dabei kommen in den meisten ländlichen Regionen zwei Ursachen zusammen: Neben der generellen Bevölkerungsabnahme aufgrund der viel zu niedrigen Geburtenrate, kommt die Abwanderung von – insbesondere jüngeren – Menschen aus dem ländlichen Raum hinzu. Unter solchen Bedingungen muss aktiv nach innovativen, zukunftsfähigen Lösungen gesucht werden, da die alten Strategien, die von einem Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum ausgingen, kaum noch tragfähige Antworten geben. Es gibt in Hessen bereits heute eine Vielzahl an positiven Beispielen für eine produktive Zusammenarbeit von Bürgerschaft und Kommunalpolitik bei Projekten der Dorf- oder Regionalentwicklung. Diese gilt es zu stärken. Politik muss umdenken und jetzt handeln Die Fachdiskussion beschäftigt sich seit langem intensiv mit der Gestaltung von Schrumpfungsprozessen und den Chancen, die sich daraus ergeben können. Die praktische Politik hat die Notwendigkeiten eines Umsteuerns jedoch vielfach noch nicht erfasst oder in konsequentes Handeln umgesetzt. Die politischen Entscheidungsträger_innen müssen hier nachziehen und die sich abzeichnenden Veränderungen stärker konzeptionell aufgreifen sowie kontinuierlich in der Kommunikation gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, Institutionen und weiteren Akteuren erläutern. Es ist jetzt notwendig, Veränderungsprozesse aktiv und mit innovativen Ideen anzugehen und zukunftsweisende Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Lebensbedingungen der Menschen im ländlichen Raum zu stabilisieren und zu verbessern. Vorrangiges Ziel sollte dabei sein, ländliche Räume gegenüber den Auswirkungen des gesellschaftlichen – insbesondere des demografischen – Wandels widerstandsfähiger zu machen. Die besonderen Stärken und Werte der verschiedenen ländlichen Räume sollten dafür bewusst einbezogen und hervorgehoben werden.
Druckschrift
Die Kraft der kleinen Orte : Stärken des ländlichen Raums nutzen: Zukunft bewusst gestalten
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten