STUDIE Chancen für einen Wiederaufbau? Die Zukunft des griechischen Tarifvertragssystems nach dem dritten Memorandum THORSTEN SCHULTEN September 2015 n Unter dem Druck der Troika hat sich Griechenland im Rahmen der ersten beiden Memoranden zu einem radikalen Umbau seines Tarifvertragssystems verpflichten müssen. n Kernpunkte dieses Umbauprogramms waren die Abschaffung des Günstigkeitsprinzips in der Hierarchie der Tarifvertragsebenen, das Verbot von Allgemeinverbindlicherklärungen sowie das Aufbrechen des gewerkschaftlichen Verhandlungsmonopols durch das Zulassen von nicht-gewerkschaftlichen Arbeitnehmervertretungen beim Abschluss von Unternehmenstarifverträgen. n In der Praxis erlebte Griechenland seit 2011 einen weitgehenden Niedergang des Flächentarifvertrages, der nicht nur mit einer radikalen Dezentralisierung, sondern in weiten Teilen der Wirtschaft mit einer regelrechten Auflösung der Tarifvertragsbe ziehungen einherging. Die Vorschläge der Syriza-Regierung für einen Wiederaufbau des griechischen Tarifvertragssystems scheiterten bislang am Widerstand der Troika. n Im Rahmen des dritten Memorandums wurde nun vereinbart, die bisherigen Entwicklungen unter Beteiligung unabhängiger Experten und internationaler Organisationen – darunter auch der Internationalen Arbeitsorganisation(ILO) – zu evaluieren. Auf dieser Grundlage soll dann über weitere Reformen des griechischen Tarifvertragssystems entschieden werden, die sich an den»besten Praktiken« in Europa orientieren sollen.
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Chancen für einen Wiederaufbau? : Die Zukunft des griechischen Tarifvertragssystems nach dem dritten Memorandum
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