Karsten Wenzlaff und Robert Philipps 28/ 2015 CROWDFUNDING Bestandsaufnahme und Ausblick nach dem Kleinanlegerschutzgesetz AUF EINEN BLICK Crowdfunding kann insbesondere im Bereich der Gründungs- und Wachstumsfinanzierung eine in Deutschland vorhandene Lücke schließen und zur Verbesserung der Gründerkultur insgesamt beitragen. Da sich Crowdfunding aber vorwiegend an nichtprofessionelle Anleger_innen richtet, sind effektive Verbraucherschutzstandards wichtig. Das Kleinanlegerschutzgesetz geht zwar in die richtige Richtung, unverständlich ist jedoch, dass der Gesetzgeber indirekt Crowdfunding auf Nachrangdarlehen beschränkt, obwohl andere Beteiligungsformen für Verbraucher_innen vorteilhafter sind. Crowdfunding bzw. Schwarmfinanzierung ist die gemeinschaftliche Finanzierung von Projekten oder Unternehmen durch eine Vielzahl von Internet-Nutzer_innen mittels eines offenen Aufrufs auf einer Plattform. Die CrowdfundingPlattform vermittelt Geldgeber_in und Geldempfänger_in und sorgt für den Zahlungsablauf. Dafür erhalten die Plattformen eine Gebühr, die aber nur dann bezahlt wird, wenn eine Crowdfunding-Kampagne erfolgreich war. Crowdfunding wurde in den letzten Jahren immer bedeutender – nicht nur für die Finanzierung von künstlerischen oder karitativen Projekten, sondern zunehmend auch als innovative Alternative der Unternehmensfinanzierung. Besonders für Unternehmensgründungen sind Ergänzungen zu den bestehenden Finanzierungsmöglichkeiten wichtig, da die Gründungsfinanzierung weiterhin branchenübergreifend eine große Herausforderung darstellt. Banken und große Kapitalgeber sind angesichts der oft geringen Finanzierungssummen kaum interessiert und an Wagniskapital herrscht in Deutschland großer Mangel. Crowdfunding ergänzt auch bereits bestehende, erfolgreich agierende staatliche Finanzierungsinstrumente (Förder- und Landesbanken, staatliche Beteiligungsfonds). Angesichts der enormen gesamtwirtschaftlichen Bedeutung von Startups, Innovation und unternehmerischer Dynamik ist das Aufkommen neuer Finanzierungsmöglichkeiten, die Unternehmensgründungen oder auch das Wachstum von Startups erleichtern, sehr zu begrüßen. Die volkswirtschaftliche Bedeutung des Crowdfundings beschränkt sich aber nicht allein auf die Verbesserung der Unternehmensfinanzierung. Crowdfunding wird zudem dazu genutzt, neue Ideen zu testen, indem die Reaktionen der„Crowd“ auf innovative Produkte ausgewertet werden sowie um neue Produkte bekannt zu machen. Crowdfunding ist also nicht allein eine Finanzierungsform, sondern eine Mischung aus Finanzierungssuche, Marktforschung und Marketing. Der interaktive Charakter der Internetplattformen, auf denen der Austausch mit Gründer_innen oder Businessangeln üblich ist, und der einfache Zugang über das Internet ermöglichen vielen Menschen zudem das Kennenlernen unternehmerischen Denkens und Handelns. Crowdfunding leistet damit einen wichtigen Beitrag, die in Deutschland im internationalen Vergleich unterentwickelte Gründerkultur zu verbessern. Mit Blick auf die gesamtwirtschaftlichen Potenziale des Crowdfundings ist es nicht verwunderlich, dass die Bundesregierung im Koalitionsvertrag einen„einheitlichen Regulierungsrahmen für Crowdfunding“ und in der digitalen Agenda die Förderung des Crowdfunding als alternative Finanzierungsform zum Ziel erhebt. 1 VIER ARTEN DES CROWDFUNDING Man unterteilt vier Arten des Crowdfunding: donationbased, reward-based, equity-based und lending-based Crowdfunding. 2 Hinsichtlich der Motive der Geldgeber_innen >
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Crowdfunding : Bestandsaufnahme und Ausblick nach dem Kleinanlegerschutzgesetz
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