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Verhandelbare Flexibilität? : die Gewerkschaften vor neuen Aufgaben in der digitalen Arbeitswelt
Entstehung
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Werner Eichhorst und Holger Hinte 29/ 2015 VERHANDELBARE FLEXIBILITÄT? Die Gewerkschaften vor neuen Aufgaben in der digitalen Arbeitswelt AUF EINEN BLICK Flexibilisierung und Digitalisierung werden die Arbeitsmärkte in den nächsten Jahren weiter stark verändern. Für die Gewerkschaften bedeutet dieser dynamische Wandel eine große Herausfor­derung, sowohl mit Blick auf die Erhaltung ihrer Mitgliederbasis als auch hinsichtlich der aktiven Mitgestaltung der Veränderungsprozesse. Mehr Arbeitszeitsouveränität, flexible Arbeitsorte und die Regelung neu hinzutretender Arbeitsformen müssen ganz oben auf der Agenda der Gewerk­schaften stehen. Unsere Arbeitswelt wird immer flexibler. Dies betrifft Arbeits­zeiten und Entlohnungsformen ebenso wie die Verbreitung atypischer Beschäftigungsformen und veränderter inner­betrieblicher Arbeitsprozesse. Die globale wirtschaftliche Verflechtung, die demografischen Verschiebungen, die Verän­derung der gesetzlichen und tarifvertraglichen Regeln und nicht zuletzt der technische Fortschritt sind die wesentlichen Triebkräfte. 1 Dessen ungeachtet konnte bislang in Deutschland eine auffällige Stabilität der Beschäftigung in den indus­­tri­ellen Kernbranchen wie Metall- und Elektroindustrie oder Chemie beobachtet werden. Dies wiederum hat sehr viel mit der traditionellen Stärke des Ausbildungssystems und der tarifvertraglichen Durchdringung dieser Wirtschafts­zweige sowie mit der betrieblichen Mitbestimmung zu tun. 2 Neben der hochqualifizierten Fachkräftebasis und hoch­­produktiven Produktion werden diese Faktoren auch künftig elementare Standortvorteile Deutschlands sein. Dennoch sind erhebliche Anstrengungen notwendig, um angesichts rapider technologischer Innovationen und sich wandelnder Produktions- und Geschäftsmodelle auch in Zukunft im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. 3 Für die Gewerkschaften stellt die konstruktive Begleitung dieser Prozesse eine große Herausforderung dar. Einerseits geht es darum, die traditionell stark gewerkschaft­lich organisierten Kernbereiche in die Zukunft zu begleiten. Andererseits müssen die Gewerkschaften auch für ganz neu entstehende Tätigkeits­felder und Beschäftigungsfor­men Gestaltungsvorschläge präsentieren. FUNKTIONALE FLEXIBILITÄT: QUALIFIZIERUNG Die Arbeit der Zukunft wird viele bislang von Menschen geleistete Routineaufgaben an intelligente, lernende Ma­­schinen delegieren. Zahlreiche Berufsbilder geraten damit unter Druck, zugleich wird an anderer Stelle neuer Spielraum für kreative, analytische und kommunikative Tätigkeiten geschaffen. Soziale, interaktive, aber auch technische Kom­petenzen werden durch die Digitalisierung an Bedeutung gewinnen. Beides, die drohende Ersetzung von Routine­tätigkeiten durch digitale Technik wie auch die sich ins­ge­­samt wandelnden Anforderungsprofile, setzt eine entspre­chende Qualifikation und Weiterbildung der Beschäftigten voraus. Damit wird auch für die Gewerkschaften die Frage einer zukunftsfähigen Aus- und Weiterbildung zentral. 4 Im Rahmen einer von der IG Metall im Jahr 2013 durchgeführten Beschäf­tigtenbefragung unter mehr als 500.000 Erwerbstätigen der Branche hat ein bemerkenswert hoher Anteil der Befragten über alle Alters- und Qualifikationsstufen hinweg einen un­erfüllten Weiterbildungsbedarf und fehlende Qualifizierungs­möglichkeiten moniert. 5 Das macht deutlich, wie groß diese Baustelle für die Gewerkschaften derzeit noch ist. Diese Feststellung gilt ungeachtet der zwischenzeitlich erreichten tarifvertraglichen Fortschritte. Schon seit 2002 besteht auf der Grundlage eines Tarifvertrages für die Metall­und Elektroindustrie in Baden-Württemberg für die Beschäf­­>