INTERNATIONALE POLITIKANALYSE Wer zahlt die Zeche? Der Bau des Nicaraguakanals ANNA HOCHLEITNER November 2015 n Der Nicaraguakanal soll insgesamt 278 km lang, bis zu 520 m breit und bis zu 30 m tief werden. Damit ist er das bis heute größte Infrastrukturprojekt der Welt und wird mehr als dreimal so lang sein wie der Panamakanal. n Die nicaraguanische Regierung ist aufgrund der Projektvergabe sowie des eigens verabschiedeten Gesetzes zum Kanalbau stark unter Kritik geraten. Zum einen erregt das hohe Maß an Intransparenz während des Entscheidungsprozesses das Misstrauen der Bevölkerung, zum anderen stehen einzelne Punkte des Gesetzes im Widerspruch zur Verfassung sowie zu internationalen Vereinbarungen. n Eine der größten Sorgen der Kritiker_innen sind die Auswirkungen des Kanals auf die Umwelt. Vor der Vergabe wurden keine Umweltverträglichkeitsstudien erstellt, Wissenschaftler_innen befürchten jedoch verheerende Schäden am Ökosystem und eine Gefährdung der Trinkwasserversorgung. n Konservative Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 30.000 Personen für den Kanalbau enteignet werden sollen. Die Anzahl der indirekt betroffenen Personen ist jedoch um ein Vielfaches höher. Bis zum heutigen Datum wurden daher bereits 45 friedliche Protestmärsche gegen den Kanal durchgeführt. n Sowohl die Rentabilität des Projektes als auch das Ausmaß der Wachstumsimpulse für das Land sind umstritten. Als lukrativ könnten sich jedoch die Subprojekte zum Ausbau der Infrastruktur und zur Nutzung enteigneter Gebiete erweisen.
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