Achim Truger DIREKT 35/ 2015 REFORM DER EU-FINANZPOLITIK Die Goldene Regel für öffentliche Investitionen AUF EINEN BLICK Die wirtschaftliche Lage im Euroraum ist weiterhin fragil. Problematisch ist der starke Einbruch der öffentlichen Investitionen, vor allem in den Krisenländern der Peripherie. Eine wichtige Reformoption wäre daher die Umsetzung der Goldenen Regel für öffentliche Investitionen auf europäischer Ebene. Diese weithin akzeptierte finanzwissenschaftliche Regel würde die Finanzierung öffentlicher Nettoinvestitionen durch Nettokreditaufnahme ermöglichen, was gleichzeitig der Generationengerechtigkeit und der Stärkung des Wirtschaftswachstums dient. 1 öffentlichen Nettoinvestitionen(Bruttoinvestitionen abzüglich Abschreibungen) um die Nulllinie herum, d.h. der öffentliche Kapitalstock stagniert oder verfällt sogar, was sich mittlerweile etwa in einsturzgefährdeten Brücken und Turnhallen recht konkret bemerkbar macht(vgl. Abbildung 2). Anstatt das Offensichtliche zu tun und die öffentlichen Investitionen in Deutschland wie im Euroraum kräftig anzuheben, greift die Politik mit dem Juncker-Plan in der EU und der Fratzscher-Kommission in Deutschland 2 lediglich zu mehr oder weniger kreativen Ausweichlösungen. Weil sich die Finanzpolitik mit deutscher Schuldenbremse und dem Fiskalpakt als europäischem Pendant selbst Fesseln angelegt hat, wird vor einer direkten Erhöhung der öffentlichen Investitionen aus Angst vor den daraus möglicherweise resultierenden höheren Budgetdefiziten zurückgeschreckt. DRAMATISCHER ABSTURZ DER ÖFFENTLICHEN INVESTITIONEN IN DEN KRISENLÄNDERN Aufgrund der weiterhin fragilen wirtschaftlichen Lage im Euroraum mehren sich die Rufe nach einem expansiveren finanzpolitischen Kurs, vor allem bei den öffentlichen Investitionen. Tatsächlich haben sich die öffentlichen Investitionen aufgrund der harten Konsolidierungspolitik im Euroraum seit 2010 insgesamt schwach, in den Krisenländern der sogenannten Peripherie sogar dramatisch schlecht entwickelt(vgl. Abbildung 1). Im Euroraum insgesamt sind sie von etwa 3,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts(BIP) vor der Krise bis 2014 um etwa einen halben Prozentpunkt zurückgegangen. In den Krisenländern sind sie von gut vier Prozent vor der Krise auf aktuell nur noch zwei Prozent eingebrochen. In manchen Ländern, in denen der Druck zur Budgetkonsolidierung deutlich geringer war, war die Entwicklung deutlich günstiger: Frankreich konnte immerhin bis 2013 das Niveau seiner öffentlichen Investitionen gegenüber dem Vorkrisenzeitraum stabilisieren; Deutschland gelang sogar eine leichte und Großbritannien eine erhebliche Steigerung. Allerdings ist die Situation auch in Deutschland alles andere als zufriedenstellend: Seit über zehn Jahren dümpeln die DIE GOLDENE REGEL: VON DER EINFACHEN GRUNDIDEE … Dabei verstoßen Schuldenbremse wie Fiskalpakt gegen einen jahrzehntelang weithin akzeptierten finanzwissenschaftlichen Grundsatz: die Goldene Regel, dass nämlich die öffentlichen Nettoinvestitionen durch Kredite finanziert werden sollen. Auch der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung wollte in seiner Blaupause für die Schuldenbremse die Nettoinvestitionen ausnehmen. 3 Die Goldene Regel ist in der traditionellen finanzwissenschaftlichen Literatur allgemein akzeptiert 4 und schreibt die Finanzierung von öffentlichen Nettoinvestitionen durch Budgetdefizite vor. Dadurch trägt sie gleichzeitig zur Generationen>
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Reform der EU-Finanzpolitik : die goldene Regel für öffentliche Investitionen
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