PERSPEKTIVE| FES BUKAREST Rumänien: Flüchtlinge im Land der Auswanderer? SILVIU MIHAI Februar 2016 n Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern des Balkans befindet sich Rumänien nicht auf der Flüchtlingsroute von der Türkei nach Mitteleuropa und ist auch noch kein Mitglied des grenzkontrollfreien Schengen-Raums. Das Niveau der Leistungen für Asylbewerber_innen ist prekär, entspricht aber dem niedrigen Niveau der Löhne, Gehälter und Sozialleistungen, die rumänische Staatsbürger_innen beziehen. n Diese Faktoren erklären die sehr geringe Zahl der gestellten Asylanträge, aber auch das relativ geringe Interesse der Politik an einer seriösen Debatte über das Thema. Rechtspopulistische, flüchtlingsfeindliche Kräfte spielen in Rumänien keine bedeutende Rolle, an einer konstruktiven Diskussion über zukunftsorientierte Ansätze fehlt es allerdings ebenso. n Regierung und Präsident haben sich bei der letzten Abstimmung über die Verteilung der Flüchtlinge innerhalb der EU gegen das System der Pflichtquoten ausgesprochen. Zugleich wollen sie aber eine Isolation Rumäniens in dieser Frage vermeiden. n Die Aufnahme einer größeren Zahl von Schutzsuchenden wäre langfristig eine Chance für das Land, um die Defizite auszugleichen, die durch die massive Arbeitsmigration nach Westeuropa in den vergangenen 15 Jahren entstanden sind.
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