Frankreich-Info Frankreich, Deutschland und die gemeinsame europäische Verteidigungspolitik Bureau de Paris März 2016 Jean-Pierre Maulny Vor fast 25 Jahren schufen Frankreich und Deutschland die Grundlagen für das, was damals im Vertrag von Maastricht als die „Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik“ (GASP) bezeichnet wurde. Dadurch wurden sie zu Vorreitern einer europäischen Verteidigungspolitik. Diese Außenpolitik beinhaltete auch eine verteidigungspolitische Komponente, die allerdings auf die Westeuropäische Union(WEU) Bezug nahm- einem nach dem Zweiten Weltkrieg von einigen europäischen Ländern geschlossenen Sicherheitsvertrag, der 1948 unterzeichnet wurde und dem sich Deutschland im Jahr 1954 anschloss. Europas Absicht, eine Gemeinsame Außenund Sicherheitspolitik zu entwickeln, kam Frankreichs Wunsch entgegen, seinen strategischen Raum um die Mitgliedstaaten der Europäischen Gemeinschaft zu erweitern und ihn in ein politisches Gemeinwesen einzubetten, das kohärenter sein sollte als es der transatlantische Raum je hätte sein können. Frankreich war zwar Mitglied der Atlantischen Allianz und zudem ein treuer Verbündeter derselben. Es vertrat jedoch die Ansicht, dass die Divergenzen zwischen den französischen und den amerikanischen Sicherheitsinteressen unsere Verteidigungsfähigkeit hätten beeinträchtigen können. Aus diesem Grund sah sich General de Gaulle im Jahr 1966 gezwungen, Frankreich aus der integrierten militärischen Kommandostruktur der NATO herauszulösen. Jean-Pierre Maulny ist stellvertretender Direktor des IRIS( Institut de Relations internationales et stratégiques) Dass Frankreich im Jahr 1992 unserem Verteidigungssystem auch eine europäische Komponente verleihen wollte, war Ausdruck eines starken Engagements. Die Entscheidung bedeutete, dass die Unabhängigkeit unserer Nation nicht mehr ausschließlich in einem rein französischen Politikrahmen gewährleistet werden konnte, obwohl mit dem Untergang der UdSSR eigentlich auch die größte Bedrohung für die Sicherheit unseres Landes verschwunden war. Für Deutschland war der Aufbau einer gemeinsamen europäischen Verteidigungspolitik die logische Fortsetzung seiner seit 1945 konzipierten Sicherheitspolitik. Da diese nicht auf nationaler Ebene umgesetzt werden sollte und konnte, wurden die deutschen Streitkräfte ab 1954 im Rahmen der NATO wieder neu aufgestellt. Die im Jahr 1957 gegründete Europäische Gemeinschaft(EG) war nicht nur das Symbol, sondern auch das Instrument der wiederhergestellten Einheit Europas. Insofern war es 1992 ganz selbstverständlich, dass das wiedervereinigte Deutschland seine Außen- und Verteidigungspolitik innerhalb des europäischen Rahmens zur Geltung bringen würde. Frankreich und Deutschland verfolgen zwar durchaus dasselbe Ziel, ihre Beweggründe für die von ihnen vertretene Politik unterscheiden sich aber voneinander. Diese Differenzen spiegeln sich auch in ihren Entscheidungen hinsichtlich des Aufbaus einer europäischen Verteidigungspolitik wider. Während Frankreich den Prozess als eine Möglichkeit Friedrich-Ebert-Stiftung, 41bis, bd. de la Tour-Maubourg, F- 75007 Paris, Tel.+33 1 45 55 09 96
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Frankreich, Deutschland und die gemeinsame europäische Verteidigungspolitik
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