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Zehn Jahre Politik für die Banlieues : Wunsch und Wirklichkeit
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FRANKREICH-INFO Büro Paris www.fesparis.org Februar 2016 Zehn Jahre Politik für die banlieues: Wunsch und Wirklichkeit Philippe Doucet Vor zehn Jahren löste der Tod von Zyed und Bouma Unruhen in den Pariser Vorstädten, den banlieues aus, ein Ereignis, das die Re­publik und das Weltbild der Franzosen nach­haltig geprägt hat. Die Ausschreitungen ha­ben damals viele Fragen aufgeworfen: Was ist das Verhältnis der Jugendlichen zur Polizei, wie können Trabantenstädte verwaltet wer­den, wie dringend ist eine Modernisierung der Städte, wie kann man mit der Präsenz organisierter Banden umgehen und illegalen Handel unterbinden, wie Kriminalität be­kämpfen- und wie wollen wir überhaupt mit Einwanderung umgehen. Wie Nordine Nabili, Autor des Bondy Blogs bemerkte, werden die Vorstädte meist unter der Überschrift"Polizei" oder"Justiz" abge­handelt. Eine Sichtweise, die zur Verfestigung negativer Stereotypen beiträgt, mit Folgen für das Bild, das man sich von diesen Vierteln macht, für die Menschen, die bei der Stellen­suche diskriminiert werden- und insgesamt für das kollektive Bewusstsein der französi­schen Gesellschaft. Bereits die Anschläge vom Januar 2015 ha­ben das Thema banlieues in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt; die Attentate vom 13. November in Paris und Saint-Denis rücken erneut das Phänomen der Radikalisierung in den Blickpunkt. Es sind zwei traurige Symbole für das Scheitern der Republik, die zudem Ängste verstärken, die stereotyp mit den banlieues in Verbindung gebracht werden: Angst vor dem Islam, Angst vor neuen Hoch­burgen der Radikalisierung, Angst vor Ju­gendlichen, Angst vor denjenigen, die sagen "ich bin NICHT Charlie" und die einer Ideolo­gie bis in den Tod folgen. Der Begriff banlieues bezeichnet zunächst einmal äußere Stadtbezirke, die in vielen Politikbereichen bereits als Schwerpunktge­biete ausgewiesen werden, mit Förderung der Bildung, der Sicherheit und der Stadter­neuerung. Typische Merkmale dieser Viertel sind aber wirtschaftliche und soziale Misere, Sozialwohnungen, ein hoher Anteil von Sozi­alhilfeempfängern, Langzeitarbeitslosen und Schulabbrechern, Beschäftigungslosigkeit und Kriminalität. In diesen Gegenden scheint die unteilbare, laizistische, demokratische und soziale Republik inexistent zu sein. Inexis­tent für diejenigen die noch die goldenen Zeiten dieser Großwohnsiedlungen gekannt haben und inexistent für die jüngeren Gene­rationen, die man unablässig an ihre Herkunft erinnert. Kurz nach den Anschlägen vom Januar 2015 sprach Premierminister Manuel Valls von"ter­ritorialer, sozialer und ethnischer Apartheid" und beschrieb so die Lage in Frankreich. Apartheid bezeichnet die Aufteilung der Menschen auf verschiedene Stadtviertel nach Merkmalen der Herkunft, der Religion oder der Zugehörigkeit zu einer Gemein­schaft. Das ist eine gedankliche Fortsetzung der städtischen"Ghettos" von denen die Medien schon seit Jahren sprechen. Dieser Begriff ist hinreichend historisch besetzt, um schon für sich genommen für Segregation von Menschen mit Migrationshintergrund und ihre Zusammenlegung in eigenen Vierteln zu stehen. Philippe Doucet ist Abgeordneter des Depar­tements Val d'Oise in der Nationalversamm­lung Friedrich-Ebert-Stiftung, 41bis, bd. de la Tour-Maubourg, F- 75007 Paris, Tel.+33 1 45 55 09 96