Michaela Evans 09/ 2016 ÜBER DEN SCHATTEN SPRINGEN! Arbeitsbeziehungen und Care-Arbeit AUF EINEN BLICK Immer mehr Menschen arbeiten in Deutschland in Pflege, Bildung, Erziehung und Soziales. Im Gegensatz zu anderen Wirtschaftsbranchen fehlen integrierende Strukturen und Verfahren, um gemeinsame Standards der Arbeits- und Entgeltgestaltung auszuhandeln. Dies hat regional einen ruinösen Preiswettbewerb befördert und erschwert insgesamt die Modernisierung der Arbeit. Um dem Wert der Care-Arbeit für Wirtschaft und Gesellschaft gerecht zu werden, sollten die Arbeitsbeziehungen gestärkt werden. DIE DEBATTE: SORGE UM CARE-ARBEIT Wo liegt die Zukunft der Arbeit? Derzeit wird in Deutschland intensiv über diese Frage diskutiert. Dabei geht es zum einen um die veränderte Bedeutung der Branchen und Berufe für Arbeitsmarkt und Arbeitsplätze. Zum anderen steht die innere Verfasstheit von Arbeitswelten auf der Agenda. Personenbezogene Dienstleistungen spielen eine besondere Rolle, sowohl mit Blick auf die quantitativen als auch mit Blick auf die qualitativen Dimensionen zur Zukunft der Arbeit. Care-Arbeit in Pflege, Betreuung, Bildung, Erziehung und Soziales ist bezahlte und unbezahlte Arbeit für Personen, die von fürsorglichen Tätigkeiten abhängig sind. 1 Diese Arbeitsfelder werden in einer alternden Gesellschaft weiter an Bedeutung gewinnen. Für den Arbeitsmarkt sind diese Entwicklungsaussichten positiv. Festzustellen ist jedoch, dass CareArbeit vielfach durch ungünstige Rahmenbedingungen geprägt ist. So wird kritisiert, dass Berufe im Care-Bereich schlechter als verantwortungsvolle Berufe in anderen Branchen bezahlt werden. Auch innerhalb zentraler Berufsfelder, wie etwa der Pflegeberufe, sind deutliche Unterschiede der Bezahlung an der Tagesordnung. 2 Insbesondere die Arbeit in der Pflege ist durch hohe Belastungen, unverlässliche und unsichere Arbeitsbedingungen sowie untypische Arbeitszeiten geprägt. Obwohl Care-Arbeit angesichts der gesellschaftlichen Nachfrage eine relativ krisensichere Beschäftigung bietet, lassen sich im sektoralen Vergleich hohe Befristungsquoten und Befristungen bei Neueinstellungen feststellen. 3 Einrichtungen und Beschäftigte des Gesundheits- und Sozialwesens haben sich in den vergangenen Jahren dafür engagiert, durch die Reorganisation von Arbeitsprozessen, Aufgabenkomplexen und ein neues Management Antworten auf die wirtschaftlichen Herausforderungen zu finden. Gegenwärtig wird viel über den Wert sozialer Arbeit diskutiert. Für die Beschäftigten soll Wertschätzung erfahrbar und ihr gesellschaftlicher Wertschöpfungsbeitrag sichtbarer werden. Dies mündet in Aufwertungsstrategien und in die Frage, wie durch attraktivere Entgelt- und Arbeitsbedingungen die Ausgangssituation der Unternehmen im FachkräfteWettbewerb verbessert werden kann. Aus dieser Perspektive ist der aktuelle Wert-Diskurs eng mit der Forderung nach sicheren Finanzierungsgrundlagen einer(monetären) Aufwertungs- und Innovationsstrategie verknüpft. Und schließlich adressiert der Werte-Diskurs die Voraussetzungen und Rahmenbedingungen fairer Arbeit. Dabei spielen Fragen sozialer Gerechtigkeit und sozialer Innovationsfähigkeit im Spannungsfeld industrieller Arbeit und Dienstleistungsarbeit eine besondere Rolle. DER BLINDE FLECK: ARBEITSBEZIEHUNGEN IN DER CARE-ARBEIT Im Diskurs über den Wert der Care-Arbeit konzentrieren sich zwei Debattenstränge: Einerseits die Suche nach aussichtsreichen Wirtschaftsfeldern, andererseits die Suche nach Wegen zur Sicherung der Leistungsfähigkeit des Sozialstaats. Vorliegende Daten verweisen darauf, dass die Arbeit in der >
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