MAI 2016 MANAGERKREIS DER FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG Gesundheitsversorgung für Flüchtlinge pragmatisch verbessern Deutschland hat eines der leistungsstärksten und anpassungsfähigsten Gesundheitssysteme der Welt. Das wurde bereits bei der Wiedervereinigung festgestellt und kann bei der Integration der Flüchtlinge unter Beweis gestellt werden. Sowohl unser ambulantes als auch unser stationäres Gesundheitswesen sind in der Lage, eine große Zahl zusätzlicher Menschen und alle GKV-Versicherten mit dem medizinisch Notwendigen zu versorgen. Viele Ärzte und Pfleger zeigen bei der Versorgung von Flüchtlingen ein Engagement, das großes Lob verdient. Das Problem liegt in den Abläufen. Die gesundheitliche Versorgung von Flüchtlingen in Deutschland ist je nach Bundesland und manchmal von Kommune zu Kommune unterschiedlich geregelt. Leistungsansprüche, Abrechnungsverfahren und Zugangsregeln zu Versorgungsangeboten sind ebenso uneinheitlich, wie auch die Frage ungeklärt ist, wie langfristig anfallende Zusatzkosten finanziert werden sollen. Dieses Labyrinth hat regional höchst unterschiedliche Versorgungsniveaus zur Folge, kostet Kraft, Zeit und Geld und erschwert durch unnötige Bürokratie die Arbeit aller Akteure des Gesundheitswesens. Eine im Einzelfall vielleicht intendierte Kostenreduktion wird vielerorts konterkariert durch mangelnde Effizienz inklusive Doppeluntersuchungen und führt im Ergebnis zu unnötigen Kostensteigerungen. Gudrun Schaich-Walch, Stefan David, Erika Ober, Philip Schunke und Bernhard van Treeck 2015 haben offiziell rund eine Million Menschen bei uns Sicherheit und Schutz gesucht. Zur persönlichen Sicherheit des Einzelnen gehört für uns ganz selbstverständlich auch eine adäquate medizinische und ggf. pflegerische Versorgung. Diesen Anspruch hat unser Land bisher nur ansatzweise und regional sehr unterschiedlich erfüllt. Verantwortung liegt in zu vielen Händen Begonnen bei der Ankunft in Deutschland über Registrierung, Antragsstellung bis hin zur Entscheidung über einen Asyl- bzw. Aufenthaltstitel besteht in der Frage der Gesundheitsversorgung ein Flickenteppich regionaler Eigenheiten. Die Leistungsfähigkeit der Strukturen(Öffentliche Gesundheitsdienstleister etc.), der gewährte Leistungsumfang, die verantwortlichen Kostenträger, die gewählten Abrechnungsverfahren und die medizinischen wie administrativen Verantwortlichkeiten – die Zersplitterung macht eine adäquate gesundheitliche Versorgung nicht nur für die zu uns geflüchteten Menschen zum Glücksspiel, sondern insbesondere für die Akteure in der Gesundheitsversorgung selbst wird dies zum bürokratischen Hürdenlauf. Es findet sich nicht nur Unterversorgung, sondern auch Über- und Fehlversorgung. So werden Flüchtlinge oft mehrfach geröntgt, zum Beispiel um Tuberkulose auszuschließen, weil die Voruntersuchungen nicht bekannt sind. In einem Bundesland werden Patienten regelhaft auf HIV untersucht. HIV-Erkrankungen sind aber kein relevantes Problem in der Population der Flüchtlinge.
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Gesundheitsversorgung für Flüchtlinge pragmatisch verbessern
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