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Kein Fortschritt beim sozialen Zusammenhalt in Europa
Entstehung
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Michael Dauderstädt und Cem Keltek 11/ 2016 KEIN FORTSCHRITT BEIM SOZIALEN ZUSAMMENHALT IN EUROPA AUF EINEN BLICK Die seit einigen Jahren zu beobachtende Krise des sozialen Europa hält weiter an. Die innerstaatliche Ungleichheit hat 2014 in den meisten Mitgliedstaa­ten zugenommen, besonders in Deutschland. Die Kohäsion in der gesamten EU macht keine Fortschrit­te, auch wenn das Wachstum der ärmsten Länder etwas über dem EU-Durchschnitt lag. Vom insgesamt eher schwachen Wachstum profitieren außerdem die reicheren Schichten am meisten. Gravierend bleibt die soziale Entwicklung in den Mittelmeer­ländern, wo vor allem die ärmsten Schichten unter der Austeritätspolitik leiden. Die neuesten Daten für 2014 bestätigen den besorgniserre­genden Trend, der seit 2011 in der Europäischen Union(EU) zu beobachten ist: Die Einkommensungleichheit hält sich hartnäckig auf dem Niveau, auf das sie 2010 angestiegen war. 2009 hatte sie nach deutlichen Fortschritten in den Vorjahren ihren niedrigsten Wert erreicht. Die S80/S20-Quote, die das Verhältnis der Einkommen im reichsten Quintil(= Fünf­tel) zum ärmsten Quintil angibt, lag damals bei einem Wert von etwa 8,5(gemessen in Euro zu jeweiligen Wechselkursen) und 5,6(gemessen in Kaufkraftstärken KKS). Seit 2011 bewegen sich die Werte zwischen neun und zehn in Euro bzw. sechs und sieben in KKS(vgl. Schaubild 1). Gegenüber 2013 ist ein minimaler Anstieg zu beobachten. Dieser Wert liegt deutlich höher als der von Eurostat für die gesamte EU in ihren offiziellen Statistiken angegebene Wert von etwa fünf(unterste Kurve in Schaubild 1). Letzte­rer ist der Durchschnitt der S80/S20-Quoten aller Mitglied­staaten unter Vernachlässigung der gewaltigen Einkommens­unterschiede zwischen diesen Ländern. Er unterschätzt da­her das tatsächliche Einkommensverhältnis des reichsten zum ärmsten Fünftel der EU insgesamt erheblich. Auch beim Ausweis des längerfristigen Entwicklungstrends der Einkom­mensungleichheit(eine relative Konstanz seit 2005) liegt die EU daher oft falsch. Der in ihren offiziellen Statistiken ausgewiesene jüngste Anstieg von fünf auf 5,2 spiegelt Schaubild 1 Entwicklung der Einkommensungleichheit in der EU (S80/S20-Einkommensquintilverhältnis) 12 11 10 9 8 7 6 5 4 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 EU-25 Euro EU-27 Euro EU-25 KKS EU-27 KKS EU-27 Eurostat Quelle: Eurostat; eigene Berechnungen; KKS= Kaufkraftstärken; der Vergleichbarkeit wegen wurde darauf verzichtet, Kroatien zu berücksichtigen. nur die wachsende Einkommensungleichheit innerhalb vieler Mitgliedstaaten wider, die aber EU-weit durch das höhere Wachstum in den ärmeren Mitgliedstaaten tendenziell kom­pensiert wird. Um die tatsächliche europaweite Ungleichheit abzuschätzen, müssen beide Dimensionen, die Ungleichheit zwischen und die innerhalb von Ländern, berücksichtigt werden. Dies geschieht mit der hier verwandten Methode, die gesamteuropäische Quintile(jeweils ca. 100 Millionen >