Henning Wilts DIREKT 15/ 2016 DEUTSCHLAND AUF DEM WEG IN DIE KREISLAUFWIRTSCHAFT? AUF EINEN BLICK Der Weg in die Kreislaufwirtschaft könnte Deutschland beeindruckende Möglichkeiten zur Steigerung seiner Wettbewerbsfähigkeit und Ressourceneffizienz eröffnen. Dazu wird es jedoch einer umfassenden Transformation unseres Wirtschaftssystems bedürfen, die weit über abfallwirtschaftliche Instrumente hinausgehen wird. Von der lokalen bis zur europäischen Ebene wird es stärker koordinierte Ansätze brauchen, wenn Deutschland beim Thema Kreislaufwirtschaft nicht den Anschluss verlieren will. ZUM KONZEPT DER KREISLAUFWIRTSCHAFT Die Entstehung von Abfall im Zusammenhang mit Produktions- und Konsummustern wurde in der Vergangenheit als notwendiges Übel akzeptiert. Diese scheinbare Selbstverständlichkeit wird jedoch mehr und mehr hinterfragt: Kreislaufwirtschaft, Circular Economy, Zero Waste, Kreisläufe schließen, Ressourceneffizienz, Abfallvermeidung, Wiederverwendung, Wiederverwertung, Recycling – dies alles sind Begriffe, die der Idee zugeschrieben werden können, eine Welt möglichst ohne Müll, dafür aber mit einem verantwortungsbewussten Umgang mit Ressourcen, Wertstoffen, Produkten und der Umwelt zu erreichen. Dies kann jedoch nur mit einem umfangreichen, ganzheitlichen Konzept erreicht werden, das auf jeder Stufe des Produktlebenszyklus sowohl auf Ebene der Materialien als auch der Energie Ansätze wie Vermeidung, Wiederverwendung und-verwertung sowie Recycling berücksichtigt und bereits am Anfang eine umweltgerechte Gestaltung der Produkte vorsieht, die ein Recycling am Ende des Produktlebenszyklus ermöglicht – eine Kreislaufwirtschaft. An die Transformation zur Kreislaufwirtschaft sind hohe Erwartungen bezüglich ökologischer und gleichzeitig auch ökonomischer Vorteile gebunden. Immer mehr Studien betonen diese Vorteile auf vier verschiedenen Ebenen: Ressourcennutzung, Umwelt, Wirtschaft und soziale Vorteile inklusive der Schaffung neuer Arbeitsplätze. WO STEHT DEUTSCHLAND? Mit Blick auf die abfallwirtschaftliche Seite der Kreislaufwirtschaft gehört Deutschland seit jeher zu den absoluten Vorreitern. Damit verbunden sind beeindruckende Recyclingquoten für fast alle relevanten Abfallströme, die sich seit Jahren auf einem stabil hohen Niveau befinden. Ein deutlich anderes Bild ergibt sich jedoch, wenn man den Blick weitet und die tatsächliche Kreislaufführung von Abfällen betrachtet: So hat z. B. die Deutsche Gesellschaft für Abfallwirtschaft untersucht, welche Mengen an Abfällen tatsächlich„als Sekundärwertstoff der Produktion wieder zugeführt werden“ und kommt zu einem deutlich ernüchternden Ergebnis von nur 38 Prozent für das Jahr 2013 – zwei Drittel aller Abfälle werden also noch nicht als Ressource genutzt. 1 Dazu passt, dass im Jahr 2010 nur 14 Prozent der in Deutschland eingesetzten Rohstoffe aus Abfällen gewonnen wurden. 2 Verwertungs- oder Recyclingquoten sind daher nur ein begrenzt guter Indikator für die Kreislaufwirtschaft: Produkte wie z. B. ein Handy können nach geltendem Recht zu 100 Prozent recycelt werden, ohne auch nur ein Milligramm der enthaltenen kritischen Rohstoffe wie Gold, Palladium oder Indium zurückzugewinnen. Speziell für diese nur in kleinen Mengen eingesetzten Stoffe, die wegen ihrer komplizierten Gewinnungsprozesse häufig trotzdem einen Großteil der Gesamtressourceninanspruchnahme eines Produktes ausmachen, sind die Rückgewinnungsquoten noch immer enttäuschend niedrig oder können wegen fehlender Technologien tatsäch>
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