Jens Kersten, Claudia Neu und Berthold Vogel 16/ 2016 GEMEINSCHAFTSAUFGABE „REGIONALE DASEINSVORSORGE“ AUF EINEN BLICK Die Flüchtlingskrise beherrscht die gesellschaftspolitische Debatte. Die Integration der Flüchtlinge ist Teil des demografischen Wandels, den die Kommunen, die Regionen, die Länder und der Bund nur auf der Grundlage der Gewährleistung gleichwertiger Lebensverhältnisse gemeinsam bewältigen können. Dafür ist die Einführung der„regionalen Daseinsvorsorge“ als Gemeinschaftsaufgabe in das Grundgesetz erforderlich(Art. 91a GG). Diese unterstreicht die gemeinsame Verantwortung von Bund und Ländern für den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Die demografische und wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland hat seit Mitte der 1990er Jahre zu einer verschärften räumlichen Polarisierung geführt. Mehr und mehr Regionen werden abgehängt. Sie schaffen es nicht mehr aus eigener Kraft, mit der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung Schritt zu halten. 1 Von der aktuellen Flüchtlings- und Migrationskrise wird teilweise erwartet, dass sie zu einer Entspannung der demografischen Probleme der Bundesrepublik beiträgt. Doch dies ist jedenfalls kurz- und mittelfristig gerade nicht der Fall. Denn der demografische Wandel ist keine rein quantitative Frage, die durch einen schlichten Anstieg der Einwohnerzahl der Bundesrepublik gelöst werden könnte. 2 Vielmehr handelt es sich um strukturelle Probleme, die sich aus niedrigen Geburtenraten, gesellschaftlicher Alterung und territorialen Binnenwanderungen ergeben. 3 GEFAHR DER VERSCHÄRFUNG SOZIALER KONFLIKTE DURCH ZUWANDERUNG entscheidend. Die Flüchtlinge wurden und werden in der Bundesrepublik aus humanitären Gründen aufgenommen. Die Frage nach ihren Bildungs- und Berufskompetenzen spielte und spielt dabei – zu Recht – keine Rolle. Welche Bildungs- und Berufserfahrungen die Flüchtlinge tatsächlich mitbringen, also welche Einsatzmöglichkeiten am Arbeitsplatz sich ergeben oder welche(Fort)Bildungsmaßnahmen benötigt werden, kann noch nicht abschließend gesagt werden. Zweitens ist ganz entscheidend, wo sich die Flüchtlinge niederlassen. In diesem Punkt kann die Wirkung der sozialen Medien für die Entscheidung, wohin sich Flüchtlinge innerhalb des Bundesgebiets wenden, gar nicht überschätzt werden(z. B. Kontakt zu Verwandten und Freund_innen via Mobiltelefon). Dies bedeutet zugleich, dass die Niederlassung von Flüchtlingen nur eingeschränkt steuerbar ist. Vieles spricht dafür, dass Flüchtlinge tendenziell Mittel- und Großstädte bevorzugen. Tendenzen städtischer Segregation können jedoch in Konflikt mit Zielen sozialer Integration geraten. Setzt sich die aktuelle Entwicklung fort, so werden mittel- und großstädtische Regionen mit starkem Bevölkerungswachstum durch die Zuwanderung unter weiteren demografischen Druck geraten, während schrumpfende Regionen sich noch weiter„lichten“. Die Folge wäre eine weitere soziale und räumliche Polarisierung unserer Gesellschaft insgesamt. GLEICHWERTIGE LEBENSVERHÄLTNISSE Um das weitere Auseinanderdriften der Bundesrepublik zu verhindern und den sozialen, wirtschaftlichen und territorialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu gewährleisten, ist eine Vielzahl von Maßnahmen notwendig. Dazu gehört nicht nur eine Neuordnung des Länderfinanzausgleichs, son> Diese strukturellen Herausforderungen werden durch die Zuwanderung von Flüchtlingen allerdings nicht gelöst. Vielmehr kommt es bei der zukünftigen Gestaltung des demografischen Wandels insbesondere auf zwei Faktoren an: Erstens sind die Bildungs- und Berufsabschlüsse der Flüchtlinge
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