INTERNATIONALE POLITIKANALYSE Zeit der Entscheidung für Lateinamerikas Linke Claudia Detsch Juli 2016 n Die lateinamerikanischen Demokratien stehen vor einer Belastungsprobe. Wirtschaftliche Schwierigkeiten lassen institutionelle und programmatische Defizite deutlich zutage treten und sorgen für politische Instabilität. Nahezu das gesamte politische Spektrum der Region ist von der derzeitigen Vertrauenskrise betroffen. Im Fokus aber steht das linke Lager. n Das Amtsenthebungsverfahren gegen Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff hat große Wirkung auf die übrige Region. Für Lateinamerikas Linke stellt der Machtverlust in Brasilien den Kulminationspunkt einer sich in den letzten Jahren verschärfenden Krise dar. n Die Linke muss sich den Vorwurf gefallen lassen, sich in den vorgefundenen Strukturen eines defizitären politischen Systems eingerichtet und diese damit noch gefestigt zu haben. Allerdings fürchten viele Vertreter_innen des linken Lagers, mit einem selbstkritischen Diskurs über eigene Versäumnisse könnten Gräben aufgerissen werden; in der gegenwärtigen Krise würde damit die Schlagkraft noch weiter zersetzt. n Nun gilt es aus linker Sicht, an zwei Stellen anzusetzen: zum einen intern, bei der Organisationsentwicklung und der eigenen Programmatik. Zum anderen sind Reformen des politischen und institutionellen Systems von zentraler Bedeutung, damit aus der aktuellen Krise keine Schwächung der Demokratie in der Region wird.
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