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Zwischen Kommen und Bleiben : ein gesellschaftlicher Querschnitt zur Flüchtlingspolitik
Entstehung
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Der hohe Preis der Meinungsfreiheit Gino Leineweber D ie Furcht vor Veränderungen ist eine der vier Grundformen der Angst. 1 Fortwährende Nachrichten über einen nicht enden wollenden Strom von Flüchtlingen löst sie aus und erdichtet dieFlüchtlingskrise. Dabei sollte eher von einerImmigrationskrise gesprochen werden, einer Krise, die durch zu starke Einwanderung entsteht. Migration hat in der Geschichte der Menschheit immer eine bedeu­tende Rolle gespielt. Die Staaten der Europäischen Union(EU) wären ohne Wanderungsbewegungen in den Vorzeiten nicht denkbar. Die Gesell­schaften des gesamten amerikanischen Kontinents nicht. Legt man diese Beispiele zugrunde, wäre die Angst vor Immigration nicht unbegründet. Beispielsweise überlebten nur zehn Prozent der Bevölkerung in Peru die Immigration der Spanier. Der Rest wurde durch gewalttätige Auseinan­dersetzungen, ausbeuterische Zwangsarbeit und eingeschleppte Krank­heiten ausgelöscht. Die Vereinigten Staaten von Amerika(USA) entstan­den durch eine rabiate Ausbeutungs- und Siedlungspolitik europäischer Immigranten, bei der die einheimische Bevölkerung, wenn nicht gar ge­tötet, gewaltsam vertrieben wurde. Diese Einwanderungen geschahen ausdrücklich zum Zwecke der Er­oberung. Die Vernichtung und Vertreibung der Einwohner waren Teil des Plans. Heute indes geht es nicht um Einwanderer, sondern um Flüchtlinge. Sie drängen aus Not und Verzweiflung in die EU. Flüchten vor Rechtlosig­keit, Hunger, Folter oder Krieg. Ihre eigene Angst vor Veränderung wird von der Aussicht auf Frieden und eine menschenwürdige Behandlung überlagert. Bei sich zu Hause haben sie die Hoffnung darauf verloren. 1  Fritz Riemann, Die Grundformen der Angst. 30 Kapitel 1 Gino Leineweber Ihre große Zahl hat ein Ausmaß angenommen, das berechtigt, sich Sorgen zu machen. Nicht nur über die Gründe ihrer Flucht, sondern auch und zuallererst um das Wohlergehen dieser Menschen. Sorgen darum, ob ihnen, den Verzweifelten und Traumatisierten, zu helfen ist. Ob wir in der Lage sind, diese große Zahl von Flüchtlingen aufzunehmen. Zu den Pflich­ten einer aufgeklärten Gesellschaft gehört, sich in der Not vom Mitgefühl leiten zu lassen, gehört, die Bedürfnisse der Einzelnen durch den Beistand für die Masse zu lösen. Ein Gebot der Menschlichkeit. Das ist ein hohes Gut und das Recht auf Asyl ist nicht nur das, sondern auch ein Grund­recht. Personen, denen die Menschenrechte verwehrt und die verfolgt werden, benötigen eine Zuflucht. Dies kann nicht von tagesaktuellen Si­tuationen, wie einer zu großen Zahl von Flüchtlingen, abhängig gemacht werden. Die Gefahren, denen beispielsweise Schriftsteller und Journalis­ten in aller Welt ausgesetzt sind, bleiben bestehen. Diese Gefahren gab es einst auch bei uns in Deutschland. Auch hier er­fuhren Schriftsteller und Intellektuelle Flucht und Vertreibung und was es heißt, Asyl zu suchen, oder was es bedeutet, ins Exil gehen zu müssen. In den 1930er Jahren haben sie ihre Heimat verloren, ihre Freunde und Ver­wandten zurücklassen müssen und waren in tiefer Ausweglosigkeit ver­zweifelt. Viele, denen es zu fliehen gelang, mussten feststellen, dass sie dort, wo sie eintrafen, nicht unbedingt erwünscht waren. Beispielsweise wurden die jüdischen deutschen Wissenschaftler in den USA, mit Aus­nahme derjenigen mit internationaler Reputation, nur von den Universi­täten der Schwarzen aufgenommen. So jedenfalls wurde es in einer vom Holocaust-Museum New York vor einigen Jahren initiierten Ausstellung vermittelt. Auf den ausgestellten Bildern sah man nur schwarze Kollegen der deutschen Professoren. Die meisten der deutschen Schriftsteller, die vor Hitler flohen, waren nicht, wie beispielsweise Thomas Mann oder Lion Feuchtwanger, auch international erfolgreich. Aber der Verlust ihrer Exis­tenzgrundlage war nicht das Schlimmste; es war der Verlust der Mutter­sprache. das kontinuierlich in fremden Sprachen Sprechen ermüdet im Geheimen das Gehirn ich habe immer Angst, die eigene Sprache zu ver­lernen, schrieb Stefan Zweig im Jahre 1941 aus dem brasilianischen Exil.  31