Der hohe Preis der Meinungsfreiheit Kalmukhanbet Kassymov gefordert. Atabek, der nach einer Buchveröffentlichung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt worden war, wurde ohne Wissen seiner Angehörigen in eine andere Haftanstalt verlegt. Die Verfolgung von Schriftstellern und Journalisten weltweit – in Chi‑ na, in Russland, Ägypten, in der Türkei oder in Saudi-Arabien, um nur einige Länder zu nennen – ist beklemmend. Viele werden am Arbeiten gehindert. Ihnen wird ihre Existenzgrundlage entzogen. Manche erleiden Gewalt und Folter und einige den Tod. Die unzähligen Aktivitäten von Schriftstellern und Schriftstellerinnen, von Journalisten und Journalistinnen und von Hilfsorganisationen, die für die Freiheit der Verfolgten kämpfen, sind alternativlos. Wie die Erfahrungen zeigen, sind sie allerdings auch häufig erfolglos. Deswegen bleibt bedrohten Menschen manchmal nur das Asyl. Ananya Azad wäre ohne dieses Asyl wahrscheinlich nicht mehr am Leben. Zur Person Gino Leineweber 1944 in Hamburg geboren, arbeitet seit 1998 als Schriftsteller. Er veröffentlicht hauptsächlich Biografien, Reisebücher und Lyrik. Von 2003 bis 2008 war er Redakteur der Buddhistischen Monatsblätter(BM). Leineweber ist Präsident des Three Seas Writers’ and Translators’ Council mit Sitz in Rhodos/Griechenland, Mitglied im VS, Verband Deutscher Schriftsteller, und im PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland sowie Ehrenvorsitzender der Hamburger Autorenvereinigung. 34 Kapitel 1 Wir müssen den Menschen sehen Kübra Gümüs¸ ay I ntegration wird erst dann möglich sein, wenn Menschen Menschen sein dürfen. Eigen. Einzigartig. Vielschichtig. Sie selbst. Wenn sie nicht die „Geflüchteten“, die„Menschen mit Migrationshintergrund“, die„Muslime“, die„Schwarzen“, die„Menschen mit Behinderung“ oder irgendein anderes Kollektiv sein und repräsentieren müssen. Wenn ihr Handeln, gutes wie schlechtes, nicht auf den Rest des Kollektivs zurückfällt. Wenn ihr vermeintlicher Lebensweg, ihr vermeintlicher Charakter, ihre vermeintliche Rolle gesellschaftlich nicht vorgezeichnet ist. Wenn sie nicht kämpfen müssen, um nicht das zu werden, was erwartet wird. Wenn es nicht Stärke, große Stärke und sehr viel Mut erfordert, man selbst zu sein.„Ich“ zu sein. Und noch viel mehr, um als„Ich“ gesehen zu werden – statt als Menschengruppe. Akzeptiert zu werden als„Ich“. Wie sollen es die neuesten Mitglieder unserer Gesellschaft schaffen, sich zu integrieren, wenn jene, die bereits seit Generationen hier sind, noch immer dafür kämpfen, ein anerkannter und akzeptierter Teil dieser Gesellschaft zu sein. Denn obgleich sie ein Teil dieser Gesellschaft sind, g elten sie nicht als„deutsch“. Wenn Integration in Deutschland gelingen soll, müssen wir wissen und entscheiden, was das erfordert. Was muss man tun, um letztlich integriert zu sein? Damit nicht alle naselang die eigene Zugehörigkeit infrage gestellt oder einem gar abgesprochen wird. Damit wir das ein für alle Mal entscheiden und klären können. 35
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Zwischen Kommen und Bleiben : ein gesellschaftlicher Querschnitt zur Flüchtlingspolitik
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