Wir brauchen einen langen Atem… Zur Person Bischof Dr. Dr. h. c. Markus Dröge Dr. Markus Dröge wurde 1954 in Washington D.C. geboren. Nach dem Studium der evangelischen Theologie in Bonn, München und Tübingen, war er von 1986 bis 1994 Pfarrer der Kirchengemeinde Koblenz-Karthause, seit 1994 der Kirchengemeinde Koblenz-Mitte. Von 1994 bis 1999 verfasste er neben dem Pfarramt seine Dissertation und übernahm 2000 anschließend einen Lehrauftrag für Systematische Theologie an der Universität Koblenz-Landau. 2004 wählte ihn die Kreissynode für acht Jahre in das Amt des Superintendenten im Kirchenkreis Koblenz. Von 2002 bis 2004 hat er eine Ausbildung als Systemischer Berater beim Institut für Familientherapie Weinheim absolviert. 2009 wurde er zum Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz gewählt. Er ist seit 2012 Aufsichtsratsvorsitzender des Evangelischen Werkes für Diakonie und Entwicklung. Seit November 2014 ist er Ratsmitglied der der EKD. Markus Dröge ist verheiratet und hat drei K inder. 68 Kapitel 1 Die Flüchtlingskrise aus den Augen eines Kindes Johanna Böshans Liebe Charda, heute hat mir Mama ein bisschen von Dir erzählt und mir gesagt, ich soll Dir einen Brief schreiben. Sie meinte, dass Du jetzt ganz neu in einem Flüchtlingsheim in Deutschland wohnst. Mamas Freundin arbeitet dort und hat Mama von Dir erzählt. Und weil Du neun Jahre alt bist, genau wie ich, meinte sie, dass Du Dich bestimmt über einen Brief von mir freuen würdest. Deswegen schreibe ich Dir jetzt. Von Opa habe ich noch dieses tolle Briefpapier mit den vielen Pferden und Blumen drauf. Und siehst Du da oben? Den Briefkopf? Da ist mein Name eingeprägt. Opa sagt, dass jedes anständige Mädchen Briefpapier mit eingeprägtem Namen braucht. Hast Du so ein tolles Briefpapier auch? Wenn nicht, dann redet mein Opa bestimmt mal mit Deinem Opa, damit Du auch so was Schönes bekommst. Ich finde es trotzdem komisch, Dir einen Brief zu schreiben. Wenn ich Deine Handynummer hätte, dann könnte ich Dir doch einfach eine SMS schreiben. Oder per Whatsapp. Oder wir könnten auch telefonieren. Je nachdem, welche Flatrate Du aktuell hast. Ich habe noch super viele Freiminuten, deswegen kann ich Dich ja einfach mal anrufen. Mama hat gesagt, Dir geht es gerade nicht so gut. Sie sagt, Du und Deine Familie, Ihr seid Flüchtlinge und fühlt Euch alleine. Ich kann Dich aber beruhigen: Hier in Deutschland bist Du gar nicht so alleine. Erst gestern hat Papa die Nachrichten geguckt und dort wurde gesagt, dass es ganz, ganz viele Flüchtlinge bei uns gibt. Das ist doch toll! Vielleicht solltest Du einfach mal auf Facebook schauen, dort kannst Du nämlich Gruppen gründen. Dort können dann alle rein, die zu dieser Gruppe 69
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Zwischen Kommen und Bleiben : ein gesellschaftlicher Querschnitt zur Flüchtlingspolitik
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