Ich möchte Dich nicht sehn Und Du redest von der Heimat Die Du liebend schützen willst Frag, dass ein Geflohener Sehnsucht nach Zuhaus’ beschreibt Ich möchte Dich nicht sehn, wenn Dich die Angst aus Deutschland treibt Und Du schreist Deine Parolen Wie schon andere vor Dir Und Dein blödes Hirn kriegt Dein kaltes Herz nicht warm Ich möchte Dich nicht sehn, mit Deinem toten Kind im Arm 104 Kapitel 1 Wenn das Hirn das Herz nicht warm kriegt Michael Witte A nis Hamdoun und Maan Mouslli mussten 2013 ihre Heimat Syrien verlassen und flohen nach Europa. Nach Deutschland. In ihrem aktuellen Filmprojekt reisen sie nun durch die ganze Republik und drehen in verschiedenen Flüchtlingsunterkünften einen Dokumentarfilm, der künftig als DVD Bildungseinrichtungen zur Verfügung gestellt werden soll. Mit dem voranstehenden Songtext„Ich möchte Dich nicht sehn“ unterstützte ich das Filmvorhaben beider. Dass ich daraufhin um einen Beitrag für das vorliegende Buch gebeten wurde, macht mich verlegen. Denn, was habe ich schon geschrieben? Ein Lied für ein menschliches und mitfühlendes Miteinander, das für mich selbstverständlich ist. Ein Lied, das gleichsam die Ignoranz und Kaltherzigkeit derer beklagt, die das Lied vermutlich nicht einmal erreicht. Für mich ist Deutschland, besonders seit dem Mauerfall, ein Ort der kulturellen Freiheit und der Gastfreundschaft. Doch verändert es sich jetzt. Wir erleben aktuell eine große Feindseligkeit dem Fremden gegenüber. Eine Feindschaft, die ich bisher nicht kannte. Sie erwächst aus Angst. Angst vor Mangel und Verlust. Allein die Eventualität reicht aus, um dieses Gefühl zu nähren. Nicht nur materielle Einschränkung, auch soziale und politische Instabilität und mangelnde Sicherheit fürchten wir. Ja, sogar, dass die politische und mediale Aufmerksamkeit einer bestimmten Gruppe gilt, führt zu einer Angst, die wir nicht wollen. Im Ursprung der menschlichen Existenz, ein sinnvoller Schutz vor Lebensbedrohungen, wird die Angst zu einem Missverständnis, aus dem Abgrenzung in nur scheinbar sichere Gruppierungen entsteht. Unser Egoismus lässt uns vergessen, über den Tellerrand zu schauen. Der Hin 105
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Zwischen Kommen und Bleiben : ein gesellschaftlicher Querschnitt zur Flüchtlingspolitik
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