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Zwischen Kommen und Bleiben : ein gesellschaftlicher Querschnitt zur Flüchtlingspolitik
Entstehung
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Es braucht europäischen Mut in Zukunft andere Asyl erbeten wozu die Einwanderungsgesellschaft Deutschlands fähig ist, wenn Menschen Schutz suchen. Dass Migration langfristig kein Problem, sondern eine Bereicherung ist und zu allen Gesellschaften dazugehört, ist eine Erkenntnis, die wir im­mer wieder haben, wenn wir in die Vergangenheit schauen. Eine Ge­sellschaft wie die deutsche muss sich bewusst werden, dass sie unver­meidlich eine Einwanderungsgesellschaft ist, die schon aus liberalen und ­demokratischen Gründen verschiedenen Erfahrungen und Lebensmodel­len Raum geben muss. Dafür braucht es jedoch auch einen politischen Rahmen, der Integration und Einwanderung ermöglicht und die vielfälti­gen Bemühungen von Engagierten in Gemeinden und Kommunen, Inte­gration lokal zu ermöglichen, und von Flüchtlingen und Migranten selbst, Teil ihrer neuen Gesellschaft zu werden, nicht durch populistische Ge­setze unterminiert. Zudem müssen wir uns über die globale Dimension von Flucht und Vertreibung bewusst werden. Besonders darüber, dass unsere Verantwor­tung eben nicht an der deutschen oder europäischen Grenze aufhört, sondern dass wir globaler denken müssen, wenn es um solche Fragen wie Flucht, Vertreibung und Migration geht. Zur Person Dr. J. Olaf Kleist Dr. J. Olaf Kleist ist Politikwissenschaftler am Institut für Migrations­forschung und Interkulturelle Studien(IMIS), Universität Osnabrück und Gründer des Netzwerks Flüchtlingsforschung. Seine Forschungsschwerpunkte sind deutsche und euro­päische Flüchtlingspolitik. 122 2. Kapitel Abschottung in Paragrafenform Wiebke Judith S aid und Jamal 1 sind ein Paar aus Syrien und wurden dort aufgrund ih­rer politischen Aktivitäten inhaftiert und gefoltert. 2014 flohen sie in den Libanon, wo sie gerade genug Geld zum Überleben verdienen konn­ten. Für überlebenswichtige Medikamente für Jamal reichte das Geld aber nicht mehr. Aus Verzweiflung versuchte Jamal daraufhin, sich das Leben zu nehmen. Im Januar 2015 dann die Erlösung: Said und Jamal wurden für das deutsche humanitäre Aufnahmeprogramm ausgewählt und konn­ten sicher nach Deutschland einreisen. Als Syrer zählen Said und Jamal zu der größten Flüchtlingsgruppe welt­weit. 4,8 Millionen syrische Staatsangehörige sind bis März 2016 vor dem anhaltenden bewaffneten Konflikt und der politischen Verfolgung aus ih­rem Land geflüchtet. 2 Circa 65 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht, die Mehrheit als sogenannte Binnenvertriebene im eigenen Land. Über 24 Millionen Menschen haben ihr Land verlassen. 3 Wie auch in Saids und Jamals Fall bleiben die meisten Flüchtlinge zunächst in den Nachbarländern ihrer Heimat. So werden circa 80 Prozent der Flüchtlinge weltweit von Entwicklungsländern aufgenommen. Auch syrische Flücht­linge werden vor allem von den Ländern in der Region aufgenommen, insbesondere von der Türkei, dem Libanon, Jordanien, Irak und Ägypten. und Jamal wurden im Libanon und in Berlin von Amnesty International interviewt. Ihre Na­men wurden geändert, um ihre Identitäten zu schützen. 2 UNHCR, http://data.unhcr.org/syrianrefugees/regional.php[Stand 12. April 2016]. 3 UNHCR, Global Trends. Forced Displacement in 2014, S. 2. Europa 123