Katharina Oerder 24/ 2016 MITBESTIMMUNG 4.0 Der Wandel der Arbeitswelt als Chance für mehr Beteiligung AUF EINEN BLICK Der Wandel der Arbeit ist allgegenwärtig. Damit in der neuen Arbeitswelt keine mitbestimmungsfreien Räume entstehen, müssen Mitbestimmung und Mitbestimmungsstrukturen stets aktuell gehalten werden, um auf diese Herausforderungen reagieren zu können. Aufbauend auf den Veränderungen am Arbeitsmarkt und der Prämisse zum Primat der Mitbestimmung werden acht Thesen zum Wandel der Mitbestimmung diskutiert sowie daraus resultierende Handlungsempfehlungen für Betriebsräte und Gewerkschaften angerissen. Digitalisierung verändert Arbeit und Leben rasant. Die damit einhergehende neue Arbeitswelt wird häufig als Arbeit 4.0 beschrieben, als begriffliche Anlehnung an Industrie 4.0, die selbsternannte Vorreiterbranche der Digitalisierung. Arbeit 4.0 ist dabei die Verbindung sozialer und technischer Innovation. Die digitale Revolution schafft neue Märkte, Produkte und Arbeitsweisen(Hoffmann/Bogedan 2015). Diese neuen Arbeitsformen dürfen dabei keine mitbestimmungsfreien Räume werden. Um die Gestaltungshoheit zurückzuerobern, müssen Mitbestimmungsakteure proaktiv mit Veränderungen umgehen. Auch für sie stellt Arbeit 4.0 einen Wandel ihres Aufgabenbereichs dar. Die Arbeitswelt verändert sich häufig schneller als bisherige Mitbestimmungsstrukturen dies vorsehen. Um sich den veränderten und vor allem beschleunigten gesellschaftlichen Anforderungen zu stellen, müssen sich Mitbestimmungsstrukturen ändern. Neben der Digitalisierung haben aber auch weitere Megatrends Anteil an dem Wandel der Arbeitswelt. Das Grünbuch „Arbeiten 4.0“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales(BMAS) nennt bspw. demografischen Wandel, Globalisierung und Wissensgesellschaft als die Arbeitswelt beeinflussende Megatrends(Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2015). Aber auch die Feminisierung der Arbeitswelt sowie die Individualisierung der Gesellschaft werden als wichtige Einflüsse genannt(Hoffmann/Bogedan 2015, Horx 2011). Neben Arbeitgeberseite und Politik entwickeln sich auch für Arbeitnehmer_innen und ihre Vertretungen(Betriebsräte, Vertrauensleute und Gewerkschaften) Herausforderungen zum Umgang mit diesen gesellschaftlichen Trends. 1. MITBESTIMMUNGSSTRUKTUREN UND -GREMIEN MÜSSEN DIVERSER WERDEN Der personelle Wandel innerhalb der Arbeitswelt schlägt sich noch nicht genügend in der Haupt- und Ehrenamtlichkeit von Mitbestimmungsstrukturen nieder. Während die Arbeitnehmerschaft insgesamt in den letzten Jahren deutlich weiblicher und migrantischer geprägt ist als in den Jahrzehnten zuvor, ist diese Diversität in den meisten Mitbestimmungsgremien wie Betriebsrat oder gewerkschaftlicher Ortsvorstand noch nicht abgebildet. Auch in der Hauptamtlichkeit der Gewerkschaften besteht Diversifizierungsbedarf. Für moderne Mitbestimmungsstrukturen ist es jedoch wichtig, den gesellschaftlichen Trend von Diversität auch in den eigenen Gremien nachzuvollziehen. Einerseits, um heutige Belegschaften tatsächlich abbilden zu können. Wandelnde Arbeitnehmerstruktur bei gleichbleibender(repräsentierter) gewerkschaftlicher Struktur kann zu einem Legitimationsproblem führen. Gewerkschaften könnten so als Interessenvertretung einer schwindenden, nicht repräsentativen Gruppe der Beschäftigten wahrgenommen werden. Andererseits jedoch auch, um durch diversere Mitbestimmungsstrukturen einen Wandel der Mitbestimmung aus sich selbst heraus organisieren zu können. Gremien, in denen Frauen nicht nur als Minderheiten sitzen, können andere Sichtweisen in Debatten einbringen als Gremien, in denen nur Männer vertreten sind. Auch Gremien, in denen Menschen mit Migrationshintergrund vertreten sind, können >
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Mitbestimmung 4.0 : der Wandel der Arbeitswelt als Chance für mehr Beteiligung
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