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Mehr als nur Herkunftsländer : Migrationsmuster in Algerien, Marokko und Tunesien
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STUDIE Mehr als nur Herkunftsländer Migrationsmuster in Algerien, Marokko und Tunesien KATHARINA NATTER August 2016 n Die europäische Berichterstattung zu Migration im Maghreb weist viele blinde Fle­cken auf. So bleibt oft unerwähnt, dass Migration für Algerien, Marokko und Tu­nesien kein neuartiges Phänomen ist, sondern sich in Jahrhunderte der Mobilität im Sahara- und Mittelmeerraum einfügt. Auch betrachtet sie die Länder meist als einheitlichen Block und übersieht die Unterschiede zwischen ihnen. Schließlich blen­det sie die Perspektive der Maghreb-Staaten und ihre innen- wie außenpolitischen Interessen weitgehend aus. n Die Maghreb-Staaten sind nicht nur Herkunfts-, sondern auch Transit- und Zielländer von Migrant_innen. Frankreich ist historisch das wichtigste Zielland, doch in den letzten Jahrzehnten wurden besonders Italien und Spanien zu bevorzugten Destina­tionen. Deutschland folgt in einigem Abstand. Als Folge zunehmender europäischer Restriktionen wurde die zirkuläre Migration der Ära der Gastarbeiter_innen durch zunehmend irreguläre Migration ersetzt. Gleichzeitig sind die Maghreb-Staaten heu­te als Einwanderungs- und Transitländer für Migrant_innen und Geflüchtete aus Af­rika, Asien und Europa mit Fragen von Integration und Diversität konfrontiert, wie wir sie aus Europa kennen. n All diese Entwicklungen finden nicht losgelöst von der Politik statt. Im Wechselspiel von Migrationsdynamiken und Migrationspolitik spielen die Maghreb-Staaten eben­so eine Rolle wie Europa oder andere afrikanische Staaten. Aktuelle Debatten, in denen Migration auf ein»Problem« reduziert wird, das es zu»lösen« gilt, sind nicht zielführend, da Migration ein struktureller Bestandteil von sozialen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen sowohl in Herkunfts- als auch in Zielländern ist.