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Inklusive Bildung in Schleswig-Holstein : Inklusion ist das Ziel - wie gelingt die Umsetzung?
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Inklusion ist das Ziel wie gelingt die Umsetzung? Inklusive Bildung IN SCHLESWIG-HOLSTEIN Hintergrundpapier auf Grundlage der Erfahrungen mit der ‚Werkstatt Inklusion in Berlin 2014/2015 Mit einer Exklusionsquote von knapp 3 Prozent zum Schuljahr 2013/2014 gilt Schleswig-Holstein als Vorreiterland der inklusi­ven Bildung. Denn schon lange vor dem Inkrafttreten der UN­Behindertenrechtskonvention 2009 legte das Bundesland die ersten Grundpfeiler für die Entwicklung eines inklusiven Bil­dungssystems. Trotz dieser positiven Bilanz ist auch in Schleswig­Holstein inklusive Bildung noch nicht flächendeckend umgesetzt. Wie lässt sich der Stand des Ausbaus bewerten, wie schätzen Po­litiker_innen, Eltern und Lehrer_innen die Maßnahmen ein, die Schleswig-Holstein bislang initiiert hat und was sind die nächs­ten Schritte? Am 25. November 2016 lud die Friedrich-Ebert­Stiftung nach Neumünster ein, um diese Fragen zu diskutieren. In Schleswig-Holstein erhielten die Sonderschulen so die damalige Bezeichnung bereits 1990 den Auftrag, die Inte­gration von Schüler_innen in die allgemeinbildenden Schulen zu unterstützen. Gleichzeitig erhielt auch der Gemeinsame Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Kindern Vorrang vor dem separierenden Unterricht. Diese bildungs­politischen Entscheidungen der 1990er Jahre gelten als erste Schritte Schleswig-Holsteins auf dem Weg zu einem inklusi­ven Bildungssystem und als Voraussetzung dafür, dass sich das Land im Bundesländervergleich in der Spitzengruppe der inklusiven Beschulung befindet. Mehr zu den Voraussetzungen inklusiver Bildung im Länderheft Inklusive Bildung in Schleswig-Holstein Anfang 2016 habe das Ministerium für Schule und Berufsbil­dung Schleswig-Holstein in einem Arbeitspapier sechs Hand­lungsfelder für den weiteren Ausbau der schulischen Inklusion formuliert. Weitere Arbeitspapiere sollen folgen, dann, wenn neue Arbeitsfelder definiert werden, aber auch dann, wenn Schritte als abgeschlossen betrachtet werden. Britta Ernst über die Schulreformen in Schleswig-Holstein zu inklusiver Bildung Arbeitspapier:Inklusion an Schulen. Umsetzung, Arbeitsschwerpunkte, nächste Schritte INKLUSION IST EINE HALTUNG Schleswig-Holstein hat sich zum Ausbau eines inklusiven Schulsystems bekannt und dieses Bekenntnis durch die Rati­fizierung der UN-Behindertenrechtskonvention noch einmal bekräftigt. Dennoch gibt es auch in Schleswig-Holstein Zweifel daran, wie Inklusion denn umgesetzt werden soll.Es ist nicht so, dass die Idee der Inklusion überall Common Sense wäre, stellte Martin Habersaat, bildungspolitischer Sprecher der SPD­Landtagsfraktion, fest.Immer noch begegnen uns Aussagen wie ‚Das ist doch ideologieverblendete Bildungspolitik, die ihr mit der Inklusion macht. Hier können wir noch etwas besser werden. Baden-Württemberg etwa hat diese gesetzliche Änderung erst mit dem letzten Schuljahr vorgenommen. Das heißt, dass die Öffnung der Regelschule in dem einen Bundesland fünfundzwanzig Jahre früher stattfinden kann als in einem an­deren. In diesen fünfundzwanzig Jahren haben wir die Zahl der Schüler_innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf schritt­weise erhöht. Mittlerweile ist uns allen bewusst, dass Inklusion ein Prozess ist. Und wir können sagen, dass wir mit diesem Prozess fünfundzwanzig Jahre Erfahrung haben. Das führt zu einem entspannten Umgang mit diesem Thema, den ich an vielen Stellen wahrnehme, erklärte Britta Ernst, Ministerin für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein. Film:Was ist Inklusion? Begegnet werden kann solcher Skepsis durch eine klare De­finition des Begriffes Inklusion. Zunächst einmal muss deut­lich werden, dass Inklusion und die Verpflichtung zum Aufbau inklusiver Strukturen sich nicht auf die Schule beschränken; aber der Schule kommt bei der Herausbildung einer inklusiven Haltung, bei der Entwicklung unserer Gesellschaft von einer selektiven zu einer inklusiven, eine besondere Bedeutung zu: Wer schon in der Schule einen ganz selbstverständlichen Um­gang mit Vielfalt erlebt, der wird diese Selbstverständlichkeit über die Schulzeit hinaus weiterführen. 1 /5