INTERNATIONALE POLITIKANALYSE Zehn Jahre Netanyahu Festhalten an Israel, am Konflikt und an der Macht DAHLIA SCHEINDLIN März 2017 n Benjamin Netanyahus politischer Erfolg beruht auf der öffentlichen Wahrnehmung einer unmittelbaren existenziellen Bedrohung Israels. Schürt er selbst mit seiner »Schwarz-Weiß-Sicht« auf die Welt und seiner Wagenburgmentalität die Ängste der Israelis? Oder nutzt er diese nur für seine Ziele aus? n Mit dem Argument der Gefährdung der existenziellen Sicherheit des Landes rechtfertigt Netanyahu eine Zuspitzung des israelisch-palästinensischen Konflikts, die als Stagnation ausgegeben wird. In den letzten zwei Legislaturperioden als Ministerpräsident fixierte er sich auf den Iran und lenkte damit von den politischen Defiziten bei der Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts ab. n Netanyahu hat einen klaren Kurs hin zur freien Marktwirtschaft eingeschlagen. Dies führte zu einigen respektablen makroökonomischen Erfolgen, allerdings auf Kosten der Gesellschaft, die heute sozial und ökonomisch tief gespalten ist. n Seit seiner Wiederwahl 2015 konzentriert Netanyahu Macht und Ämter in seinen Händen. Er führte seine früheren Versuche, die israelische Zivilgesellschaft zu schwächen, weiter fort und nahm dabei gezielt die Presse, seine ideologischen Gegner_innen in den Nichtregierungsorganisationen(NGOs) sowie die arabisch-palästinensische Minderheit im Land ins Visier. n Um den zunehmenden Nationalismus und die Erosion der Demokratie im Land zu zähmen, sollte Israel konkrete Schritte in Richtung Konfliktlösung unternehmen, Mechanismen zur Re-Regulierung und Kontrolle der Marktwirtschaft einführen sowie die Angriffe auf die unabhängige Zivilgesellschaft, oppositionelle Gruppen und Minderheiten einstellen.
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Zehn Jahre Netanyahu : Festhalten an Israel, am Konflikt und an der Macht
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