Reinhold Rünker 08/ 2017 INTELLIGENTE INDUSTRIE DURCH ZIRKULÄRE WERTSCHÖPFUNG AUF EINEN BLICK Wer Wirtschaftswachstum ermöglichen will, um der jetzigen, aber auch kommenden Generationen eine lebenswerte Gegenwart und Zukunft zu ermöglichen, muss deutlich machen, wie Produktion und Konsum so in eine Wechselbeziehung gesetzt werden können, dass Rohstoffe nicht verschwendet, sondern weiterverwendet und-entwickelt werden. Das Konzept einer Zirkulären Wertschöpfung ist hierfür ein möglicher Weg: Sie orientiert auf eine neue Verzahnung von Ressourcen, Produktdesign, Produktion und Konsum. Im internationalen Sprachgebrauch wird Circular Economy in einem umfassenden wirtschaftspolitischen Sinne verstanden. Im deutschen Sprachgebrauch ist jedoch eine Verkürzung auf Kreislaufwirtschaft als Recycling- oder Abfallwirtschaft üblich (Wilts 2016), weshalb das Wirtschaftsministerium in NRW den Terminus„Zirkuläre Wertschöpfung“ nutzt(MWEIMH 2016), der einem Dreiklang folgt: – Zirkulär betont, in Kreisläufen zu denken. Rohstoffe und Werkstoffe werden am Ende des Wertschöpfungsprozesses wieder zu Nährstoffen neuer Kreisläufe.„Abfall“ wird Nährstoff, Roh- und Werkstoffe gehen nicht verloren. – Wert betont den materiellen Gehalt: Die Zirkuläre Wertschöpfung schafft und sichert ökonomische Werte, sie bietet einen Mehrwert, der betriebswirtschaftlich wie volkswirtschaftlich relevant ist. – Schöpfung betont den kreativen Prozess. Er fordert zum radikalen Infragestellen auf, um Neues zu schaffen – neue Produkte mit neuen Designs und Werkstoffen, neue Verfahren, Services und Geschäftsmodelle. Bislang steht die Effizienzorientierung im Mittelpunkt, wenn es um den optimalen Einsatz von Rohstoffen und Energie geht. Dieser Ansatz hat großen Fortschritt gebracht und es sind noch nicht alle Spielräume genutzt. Wir wissen aber auch: Irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem der Zugewinn an Effizienz nicht mehr die Kosten seiner Realisierung rechtfertigt. DIE KERNÜBERLEGUNG DER ZIRKULÄREN WERTSCHÖPFUNG: MEHR VOM RICHTIGEN! Zirkuläre Wertschöpfung beschreibt einen umfassenden industriepolitischen Innovationsansatz, der zur quantitativen Effizienzorientierung die qualitative Effektivitätsorientierung setzt. Neben inkrementelle Innovationen muss die Bereitschaft treten, Produkte – Güter wie Dienstleistungen – komplett neu zu denken: Beginnend beim Produktdesign und dem Screening der Werk- und Inhaltsstoffe, geht es über neuartige Produktionsverfahren bis hin zur Definition von Nutzungswegen und Fragen der Rückgewinnung von Ressourcen. Welche Auswirkungen werden durch den Materialeinsatz, durch die Produktion, durch die Konsumweise etc. erzeugt? Welche sind gewollt, welche nicht? Wie können wir die gewollten Auswirkungen verbessern, neue und bessere Effekte erzielen? Stoffkreisläufe schließen, damit Werk- und Inhaltsstoffe möglichst immer wieder verwendet werden können, Produkte stärker modular aufbauen, um deren Nutzungsdauer zu verlängern, mehr Produkt-Sharing anbieten oder Produktleistungen Stück für Stück entmaterialisieren – all das sind Facetten einer Zirkulären Wertschöpfung, um künftig Wachstum vom Ressourcenverbrauch abzukoppeln. Zirkuläre Wertschöpfung ist ein Impulsgeber für Innovationen, der neue Wege hin zu einer Modernisierung unserer Industrien aufzeigt. Sie bietet einen starken Anreiz für mehr Investitionen in den Kapitalstock, für industrielle Symbiosen und zur Bildung von Wertschöpfungsnetzwerken jenseits üblicher Allianzen. Es geht bei der Zirkulären Wertschöpfung um Ermöglichung statt Eingrenzung, um Gestaltung statt Abwehr, es geht um Wohlstand für alle statt Verzicht. Dabei gibt es nicht immer nur die eine richtige Lösung; es geht um„Mehr vom Richtigen!“, statt weniger vom Falschen. >
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