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Ist die Eurozone vielleicht doch ein "optimaler Währungsraum"?
Entstehung
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Jan Priewe DIREKT 10/ 2017 IST DIE EUROZONE VIELLEICHT DOCH EINOPTIMALER WÄHRUNGSRAUM? AUF EINEN BLICK Viele Ökonom_innen, die die Europäische Währungs­union(EWU) ablehnen, folgen derTheorie optimaler Währungsräume, die in den 1960er Jahren entwi­ckelt wurde. Allerdings gibt es die Theorie optimaler Währungsräume gar nicht es gibt diverse. Die Kriti­ker_innen beziehen sich fast alle auf die erste Gene­ration, während die Protagonist_innen sich auf die zweite und vor allem auf die dritte Generation be­ziehen, die für die Entstehung des Euro besonders wichtig war. Eine Analyse derTheorien optimaler Währungsräume zeigt: Die EWU ist noch weit davon entfernt, ein optimaler Währungsraum zu sein. Mit weiteren Reformen kann dies aber gelingen. Die mit einer Währungsunion verbundenen Vorteile können dann auch die Nachteile deutlich überwiegen. ERSTE GENERATION: KLEINE, HOMOGENE WÄHRUNGSRÄUME Robert Mundell schrieb 1961, dass Staaten nicht unbedingt optimale Währungsräume sind. Letztere können kleiner als Staaten sein, aber auch mehrere Staaten umfassen. Dabei ging es Mundell nicht unbedingt um eine Währungsunion(WU) mit einer Gemeinschaftswährung, sondern in erster Linie um unwiderruflich feste Wechselkurse. Ein optimaler Währungs­raum zeichnet sich demnach durch starke ökonomische Ver­flechtung und vor allem durch uneingeschränkte Arbeits- und auch Kapitalmobilität aus. In einem solchen Raum könne eine einheitliche Geldpolitik und ein einheitlicher Wechselkurs ge­genüber Drittländern problemlos funktionieren, es bedarf nicht unbedingt einer eigenständigen Geldpolitik für die ver­schiedenen Teile des Währungsraums. Erfolgt beispielsweise in einem Teil des Währungsraums ein negativer(asymmetrischer) Schock, in dessen Folge die Arbeitslosigkeit steigt, werden die Menschen in andere Regi­onen des Währungsraums abwandern oder Kapital aus diesen Regionen in die betroffenen Gebiete fließen. Mundell war sich bewusst, dass ein Währungsraum in der Regel mit einem Na­tionalstaat identisch ist. Sind die Voraussetzungen für einen solchen optimalen Währungsraum nicht gegeben, sei es bes­ser, wenn eine Region ihre Währung auf- oder abwerten kann. Es war damit klar, dass ein optimaler Währungsraum eher klein ist. Wenig später schrieb Ronald McKinnon(1963), kleine of­fene Volkswirtschaften mit hoher Handels- und Kapitalver­flechtung seien als eigenständige Währungsräume weniger geeignet. Denn die Handelsverflechtung führe dazu, dass asymmetrische Schocks eher unwahrscheinlich seien und zu­dem Abwertung inflationär wirken würde im Gegensatz zu größeren, nicht so offenen Volkswirtschaften, die flexible Wechselkurse brauchen. Der Arbeits- und Kapitalmobilität wies er für kleine offene Volkswirtschaften eine geringere Bedeutung zu, weil restriktive(expansive) Fiskalpolitik ein Handelsbilanzdefizit(-überschuss) ausgleichen könne. McKin­non zufolge kann ein optimaler Währungsraum also auch größer sein und mehrere Länder umfassen. Peter Kenen(1969) wies auf den Grad der Diversifizierung der Wirtschaftsstruk­tur der Länder hin; je größer dieser ist, desto eher sind sie für eine WU geeignet. Kenen widerspricht also McKinnon, was kleine offene Volkswirtschaften angeht, die eher wenig di­versifiziert sind. ZWEITE GENERATION: GRÖSSERE WÄHRUNGS­RÄUME, POSITIVE MONETÄRE WIRKUNGEN Weniger bekannt ist, dass sowohl Mundell als auch McKinnon ihre Meinung nach dem Ende des Währungssystems von Bret­ton Woods im Jahr 1973 und dem Übergang zu flexiblen, marktbestimmten Wechselkursen änderten. Sie leiteten so die zweite Generation der Theorie optimaler Währungsräume ein. >