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Produktivität, Gerechtigkeit und Teilhabe : Wirtschaftspolitik im Zeichen von Globalisierung, Klimawandel und digitaler Revolution
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J U L 2017 MANAGERKREIS DER FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG Produktivität, Gerechtigkeit und Teilhabe Wirtschaftspolitik im Zeichen von Globalisierung, Klimawandel und digitaler Revolution Die Weltwirtschaft befindet sich in einem rasanten globalen Umbruch. Dieser Umbruch führt zu mehr Unsicherheit und Ungleichheit. Populismus und Nationalismus sind auf dem Vormarsch. Länder wie Deutschland, die über keine physischen Rohstoffe verfügen, müssen prüfen, ob ihr Wirtschaftsmodell langfristig trag- und zukunftsfähig ist. Zwei wichtigeMegatrends sind zu berücksichtigen: die fortschreitende Digitalisierung sowie die Kontrolle des Klimawandels. Die zentrale Idee eines fortschrittlichen, nachhaltigen und inklusiven Politikkonzepts ist es, die Themen Klimawandel, Digitalisierung, Produktivität und Inklusion als Facetten eines Gesamtproblems zu begreifen. Ein derart integriertes Politikkonzept für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft muss für Deutschland entwickelt und ausdifferenziert werden. Dies wird aber nicht ohne die europäische und globale Ebene funktionieren. Dr. Christian Kastrop Einführung Die Weltwirtschaft befindet sich in einem immer schnelleren Umbruch. Die Globalisierung in Finanz- und Realwirtschaft schreitet schnell voran. Mit der dynamischen Entwicklung wichti­ger Schwellenländer, überwiegend in Asien aber auch in Latein­amerika, verschiebt sich gleichzeitig der Pol der Weltwirtschaft. Die alternden Industrieländer in Europa und Nordamerika wer­den bereits mittelfristig ihre gewohnte führende Rolle an andere Länder abgeben. Dies verschiebt die Statik der Weltwirtschaft und damit werden sich auch die politischen Machtzentren ent­sprechend verlagern. Darauf müssen wir uns einstellen, wirt­schaftlich und politisch. Nur wenn wir deutlich an Produktivität zulegen, werden wir eine alternde und rohstoffarme Volkswirtschaft die Verspre­chen, auch die deröffentlichen Hand, an die junge und die alte Generation einlösen können. Eine gute Einwanderungspolitik und eine steigende Geburtenrate sind wichtig, eine langfristig hohe Produktivität ist jedoch der Zentralschlüssel. Gleichzeitig führt der immer schnellere ökonomische und soziale Wandel dazu, dass die Ungleichheit an vielen Stellen zunimmt. Zwar hat sich das Maß an Einkommensungleichheit, der GINI­Koeffizient, für Deutschland nicht wesentlich verändert, es ist aber eine starke Zunahme bei den hohen Einkommensgruppen zu verzeichnen, während die zahlenmäßig sehr großen mittleren und unteren Einkommensgruppen über viele Jahre fast keinen realen Zuwachs erfahren oder sogar Verluste erlitten haben. Dies manifestiert sich an der Zunahme prekärer Arbeitsverhältnisse in Deutschland trotz der an sich sehr positiven Arbeitsmarktsituati­on. Es gibt viele Indizien dafür, dass eine steigende Ungleichheit am Ende auch das Wachstumspotenzial schädigt. Aber bereits die empfundene Machtlosigkeit gegenüber den anonymen Kräften der Globalisierung kann zu Abstiegsangst, Abwendung von der Politik, zu Fremdenfeindlichkeit, Populismus und neuem Nationalismus führen. Wie können wir unter diesen Umständen unsere Werte be­wahren, unsere stabile offene Gesellschaft, unsere innovative, dynamische und bisher auch außerordentlich erfolgreiche sozi-