Werner Eichhorst, Carolin Linckh 28/ 2017 SOLO-SELBSTSTÄNDIGKEIT IN DER PLATTFORMÖKONOMIE AUF EINEN BLICK Crowdworking ist derzeit noch von überschaubarer Bedeutung und wird vor allem als Nebentätigkeit oder parallel zu einer Ausbildung ausgeübt. In Zukunft könnte es aber deutlich zunehmen und auch als Haupterwerbsquelle für Solo-Selbstständige dienen. Um die Qualität von Arbeitsverhältnissen im digitalen Wandel zu sichern, sollte die Politik die soziale Absicherung von Solo-Selbstständigen verbessern und ihre Rechte stärken. 1. TÄTIGKEITEN UND ORGANISATIONSMODELLE IN DER PLATTFORMÖKONOMIE Online-basierte Plattformen haben das Potenzial, die Art des Arbeitens, die Erwerbsformen am Arbeitsmarkt und die Logik betrieblicher Organisation fundamental zu verändern. Dies gilt sowohl für die Vermittlung von Angebot und Nachfrage nach Dienstleistungen für private Haushalte als auch für die Beziehungen zwischen Unternehmen und ihren Zulieferern. Heute wird beispielsweise nicht mehr ausschließlich im Softwareunternehmen programmiert, sondern vielfach werden Programmieraufgaben auf so genannte Plattformen ausgelagert, auf der Click- und Crowdworker Aufgaben für wechselnde Auftraggeber_innen ausführen. Dies basiert auf dem Prinzip des Crowdsourcing, bei dem Unternehmen Aufgaben über das Internet, also ortsunabhängig, an die sogenannte Crowd vergeben, eine große Menge an Individuen, die teilweise auf der ganzen Welt verteilt und sowohl innerhalb als auch außerhalb von Organisationen tätig sind. Die daraus resultierende bezahlte Arbeit, die über die Plattform vermittelt wurde, wird als Crowdworking bezeichnet. Im Rahmen der digitalisierten Arbeitswelt gewinnt diese Form der Arbeitsorganisation zunehmend an Bedeutung. Apt et al.(2016: 21) ordnen die verschiedenen Formen des Crowdworking nach der Art der Arbeitsvermittlung ein: Zum einen können Aufträge innerhalb eines Wettbewerbs vergeben werden. Dabei stehen Crowdworker in einem zeitlichen oder ergebnisorientierten Wettbewerb miteinander, in dem der/die Gewinner_in nach dem„the winner takes it all“-Prinzip vergütet wird. Zum andern gibt es das zusammenarbeitsbasierte Crowdworking, bei dem der fachliche Austausch und das gemeinsame Finden von Lösungen in den Mittelpunkt rücken. In diesem Fall können alle Lösungen, die den Qualitätsanforderungen entsprechen, prämiert werden. Clickworker unterscheiden sich von Crowdworkern dahingehend, dass die Aufgaben im Regelfall einfach beziehungsweise kleinteilig sind, zum Beispiel der Vergleich von Etiketten, das Verfassen kurzer Texte oder Bildauswertungen, die oftmals als Nebentätigkeit ausgeführt werden(Schmidt 2016: 5). Neben der Kategorisierung des Crowdworking nach der Art der Aufgabe, also Routinetätigkeiten, komplexe sowie kreative Aufgaben(vgl. auch Leimeister et al. 2016: 19), kann auch zwischen stationärem und mobilem Crowdworking unterschieden werden. Der klassische Online-Arbeitsmarkt für Auftragsarbeiten wird hierbei als stationäres Crowdworking (oder„gig economy“) beschrieben, wohingegen beim mobilen Crowdworking die Erledigung ohne Ortsbindung erfolgen kann(Bertschek et al. 2015: 3). Auf der Plattform My Little Job, die 2011 in Hamburg gegründet wurde, werden beispielsweise Aufträge vermittelt, die ortsunabhängig ausgeführt werden können. In diesem Fall beschreibt der Auftraggeber die Task, über die Plattform wird anschließend einem bzw. einer der gut 230.000 registrierten Student_innen diese Aufgabe zugewiesen und bevor dem/der Auftraggeber_in das Ergebnis per Email zugesendet wird, findet eine Qualitätskontrolle über einen plattformeigenen Experten oder eine Expertin statt. Ein Beispiel für über Online-Plattformen vermittelte Dienstleistungen, die lokal ausgeführt werden, sind haushaltsnahe Dienstleistungen(z. B. vermittelt über die Plattform Helpling) oder Lieferdienste wie Foodora, ein Essenslieferservice mit Hauptsitz in Berlin. Lokale Dienstleistungen, die über Plattformen in relativ kurzer Zeit vermittelt werden, gewinnen gerade in Großstädten an Bedeutung. >
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten