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Leitbild gute Transferberatung : Impuls für eine moderne arbeitsmarktpolitische Beratung
Entstehung
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Gernot Mühge, Kathrin Filipiak, Susanne Marx 39/ 2017 LEITBILD GUTE TRANSFERBERATUNG Impuls für eine moderne arbeitsmarktpolitische Beratung AUF EINEN BLICK Die Anforderungen an die arbeitsmarktliche Bera­tung von Personen, die ihren Arbeitsplatz verloren haben und in Transfergesellschaften übergehen, sind komplex. Es mangelt an brauchbaren Leitbildern, die ein bedarfsorientiertes Beratungsverständnis und adäquate Grundprinzipien vorgeben, Orien­tierung stiften sowie zur Motivation und Professio­nalisierung der Transferberatung beitragen. Um diese Lücke zu schließen, wurde im Dialog zwischen Praxis und Wissenschaft das Leitbild Gute Transfer­beratung entwickelt. Je nach Persönlichkeit und Lebenssituation bringen Beschäf­tigte, die in eine Transfergesellschaft einmünden, unterschied­liche Voraussetzungen mit. Ein großer Teil der Beschäftigten erlebt den Verlust des Arbeitsplatzes alsEntlassungsschock und große psychosoziale Belastung, andere richten ihren Blick unmittelbar auf die Zukunft und suchen direkt nach einem neuen Arbeitsplatz. Die Bandbreite an Bedürfnissen der arbeitsuchenden Transferbeschäftigten, aber auch die mangelnde Funktionalität des Paradigmas der aktivierenden Arbeitsmarktpolitik bilden den Hintergrund für dasLeitbild Gute Transferberatung, das im Dialog zwischen Akteur_ innen aus Wissenschaft, Arbeitspolitik NRW und Transfer­gesellschaften entwickelt worden ist. Das arbeitsmarktpolitische Aufgabenspektrum von Trans­fergesellschaften wird in der Regel als Dreiklang ausBeraten, Qualifizieren und Vermitteln umrissen. DasLeitbild Gute Transferberatung präzisiert diese Arbeitsfelder, reflektiert die Zielstellung von Transfergesellschaften und benennt Grundprinzipien der arbeitsmarktpolitischen Beratung von Transfergesellschaften. Seine Aufgabe ist es, das Leistungs­versprechen von Transfergesellschaften zu konkretisieren, den Berater_innen Orientierung zu geben und zu einem ge­meinsamen Verständnis der Beteiligten über Ziele, Aufgaben und Methoden der Transferberatung beizutragen. In einer übergeordneten Perspektive dient es dazu, einen qualitativ hochwertigen Standard vorzugeben und die langfristige arbeitsmarktpolitische Wirksamkeit von Transfergesellschaf­ten zu verbessern. Wichtige Bezugspunkte für das Leitbild sind zum einen aktuelle empirische Forschungen zu Transfergesellschaften (Filipiak 2016; Mühge et al. 2016), zum anderen der wis­­senschaftliche Diskurs über alternative Leitbilder für eine moderne Arbeitsmarktpolitik(Betzelt/Bothfeld 2014; Reis/ Siebenhaar 2015). FÖRDERN UND FORDERN IN DER KRITIK Der Aktivierungsansatz wird in Deutschland seit den 1990er Jahren diskutiert; er hat im Zuge der Hartz-Reformen unter dem Leitsatz desFörderns und Forderns einen radikalen Durchbruch erfahren. Bezogen auf den Beschäftigtentrans­fer weisen empirische Forschungen auf Inkonsistenzen zwi­schen dem Ansatz und den arbeitsmarktpolitischen Anfor­derungen hin. Diese resultieren unter anderem aus der be­sonderen Belastungssituation der vom Arbeitsplatzverlust Betroffenen, die im Aktivierungsparadigma systematisch unterschätzt wird. Sanktionsandrohungen oder ein ausge­übter Druck zur schnellen Arbeitsaufnahme wirken als zu­sätzliche Belastung und tragen letztlich eher zur Demotiva­tion als zur Übernahme von Eigenverantwortung bei. Auch dem in der Logik des Aktivierungsparadigmas tendenziell passiven Menschenbild steht der empirische Befund entgegen, dass Transferbeschäftigte unabhängig einer etwaigen Be­lastungssituation ihre sozialen und arbeitsmarktlichen Ri­siken reflektieren und ein allgemein hohes Interesse an neuer Beschäftigung und arbeitsmarktpolitischer Unterstützung haben(Mühge et al. 2012; vgl. Paul et al. 2016). >