Alexander Paul Witzke DIREKT 36/ 2017 ARBEIT IM ALTER – GETEILTE ZIELE UND GETRENNTE WEGE IN DEUTSCHLAND UND JAPAN AUF EINEN BLICK Die Verlängerung der Lebensarbeitszeit scheint angesichts des Bevölkerungswandels unumgänglich. Dieser Beitrag lenkt den Blick auf Japan als demographischen Pionier und Exempel der Altersarbeit. Kann Deutschland hiervon lernen? Ja, denn Vor- wie Nachteile des japanischen Ansatzes zur Förderung von Altersarbeit können uns wichtige Gestaltungshinweise geben. AUSBAU VON LEBENSARBEITSZEIT ALS GESAMTGESELLSCHAFTLICHES ERFORDERNIS Der Bevölkerungswandel ist eine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen. Der rasante Anstieg der Lebenserwartung im Ruhestand sowie des verrenteten Bevölkerungsanteils sind Ausdruck dieser Veränderung. 1 Doch wie können volkswirtschaftliche Prosperität und sozialstaatliche Vitalität unter diesen Voraussetzungen gesichert werden? Wie gelingt es, einen leistungsfähigen Arbeitsmarkt oder ein Rentensystem zu gewährleisten, das adäquate Altersversorgung auch zukünftig garantiert? Die Verlängerung der Lebensarbeitszeit gilt als ein Schlüsselinstrument zur Bewältigung dieser Herausforderungen: „Ältere Personen in Arbeit sind Steuerzahler und generieren neue staatliche Einnahmen. Sie bringen zudem eine geringere Wahrscheinlichkeit zur Beanspruchung sozialer Sicherungssysteme mit sich. Ökonomische wie wohlfahrtsstaatliche Gründe sprechen für die Ausweitung der Rolle älterer Erwerbstätiger in einer alternden Gesellschaft, die sich dennoch ihre Produktivität bewahrt“(Bass/Caro 2001: 68). Folgt man diesen Gedanken, dann ist die Gestaltung einer Arbeitswelt, die sich gegenüber der demographischen Entwicklung als resistent erweist, als langfristige Aufgabe zu begreifen. Sie verlangt koordinierte Anstrengungen der Politik und der Sozialpartner:„Das Problem der Überalterung liegt nicht in der Alterung an sich, sondern in den systemischen Voraussetzungen einer alternden Bevölkerung“(Seike 2001: iii). Arbeit im Alter als Mittel der finanziellen Versorgung hat in den letzten Jahren in Deutschland zugenommen und wird vermutlich auch weiterhin an Bedeutung gewinnen. Die Stärkung von Rechten und Chancen der wirtschaftlichen Altersteilhabe wird damit sowohl zu einem zentralen Anliegen der Älteren selbst als auch eine gesellschaftliche und politische Gestaltungsaufgabe. Denn trotz der Zunahme an gesunden Lebensjahren ist ein solider Gesundheitszustand als primäre Bedingung ökonomischer Gesellschaftsteilhabe nicht zwangsläufig gegeben. Individuelle Ängste vor der Ausweitung von Lebensarbeitszeit und ihrer bislang diffusen Konsequenzen sind daher nachvollziehbar:„Ältere Personen geraten unter Druck zur Minimierung der Risiken von Krankheit und Behinderung“(Westerhof/Tulle 2007: 238). Für die Politik bedeutet dies, als rigoroser Advokat der Erwerbsinteressen Älterer einzutreten, ohne die ökonomische Grundlage jener Älteren mit eingeschränkten oder nicht vorhandenen Voraussetzungen zu unterminieren. Eine diffizile Aufgabe, die allein durch den Umbau von sozialen Sicherungssystemen sowie der Arbeitsmarktregulierung nicht zu realisieren ist: „Den Ruhestand weniger attraktiv zu gestalten führt lediglich zu einer erhöhten Notwendigkeit[...] zur aktiven Erwerbsteilhabe.[...] Die Erhöhung des öffentlichen Renteneintrittsalters mag für viele Nationen ein legitimes Ziel darstellen. Dessen verantwortungsvolle Gestaltung bedarf jedoch mehr als die bloße Minderung individueller Verrentungsanreize“ (Hardy 2006: 211, 215). >
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Arbeit im Alter : geteilte Ziele und getrennte Wege in Deutschland und Japan
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