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Digitaler Kapitalismus - wie zähmen wir die Tech-Giganten?
Entstehung
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Frank Pasquale 05/ 2018 DIGITALER KAPITALISMUS WIE ZÄHMEN WIR DIE TECH-GIGANTEN? AUF EINEN BLICK Die großen digitalen Plattformen sind mittlerweile so mächtig und allgegenwärtig, dass die Regierun­gen vor einer schwierigen Entscheidung stehen: ihre Souveränität in der digitalen Sphäre geltend zu machen oder sie an mächtige Unternehmen ab­treten. Die Plattformen sind keine bloßen Marktteil­nehmer mehr, sie bestimmen vielmehr die Funktions­weise der Märkte. Wird ihnen nicht Einhalt geboten, werden sie zu den de-facto­Herrschern des 21.Jahr­hunderts. Vor welche neuen Herausforderungen stellt der digitale Kapi­talismus die politische Ordnung? Die Strategien der größten und erfolgreichsten Unternehmen legen eine bestimmte Schlussfolgerung nahe. Die Unternehmen fungieren häufig als Plattformen, auf denen sie sich aufs Ranking und Rating anderer Marktteilnehmer_innen beschränken, statt selbst Waren und Dienstleistungen bereitzustellen. Damit wälzen sie je­des Risiko auf die Verkäufer_innen und Konsument_innen ab, erhalten aber bei jeder Transaktion zuverlässig einen An­teil. Genauso wie ein Finanzvermittler Transaktionsgebühren erhebt, streichen die Plattformen schon vorab ihre Provision ein unabhängig davon, wie gut oder schlecht das vermittelte Geschäft abgewickelt wird. VOM TEILNEHMER ZUM HERRSCHER DES MARKTES Plattformen haben ein Interesse daran, bestimmte digi­tale Geschäftsbereiche sorgfältig zu überwachen und zu gestalten, um ihre Profite zu maximieren(und nebenbei ihr Renommee zu behaupten). In ihrem unaufhörlichen Streben, ihren eigenen Ökosystemen immer mehr Sektoren einzuver­leiben, wagen sie sich jedoch allzu oft an Brocken, die sie nicht verkraften. Häufig überschätzen sie die Leistungsfähig­keit der Automatisierung, alle Anfragen zu bearbeiten, die sich auf einem modernen Marktplatz ergeben. Das hat zu einem weiteren Problem geführt, das schon aus der Ge­schichte von Monopolunternehmen bekannt ist: der so­­genannte Absentismus(Absentee Ownership). Wenn ein Riesenunternehmen Tausende Kilometer von seinem Hauptsitz entfernt einen Laden kauft, besitzt es die­sen Laden und will auch Gewinne mit ihm machen. Der wirt­schaftliche Erfolg dieses Ladens wird aber nur in groben Maß­stäben gemessen, die kaum etwas mit einem Interesse an der unmittelbaren Umgebung(die Straße, das Viertel, die Stadt) zu tun haben, in die dieses Geschäft eingebettet ist. Um die von dem/der abwesenden Eigentümer_in geforderten Einnahmen zu maximieren, vernachlässigt der Laden möglicher­weise die traditionellen Aufgaben, die er zuvor erfüllte. Un­mittelbar dort ansässige Eigentümer_innen würden den Laden vermutlich auf eine Weise führen, die den Interessen und Werten der Umgebung weit mehr gerecht wird. Denn der/ die anwesende Eigentümer_in bekommt alle Verbesserungen und Verschlechterungen, die der Laden vor Ort verursacht selber mit. Dieselbe Dynamik tritt im Internet auf. Google besitzt die größte Sammlung von Online-Videos, aber die Er­tragskraft seiner Tochtergesellschaft YouTube beruht auf einer einkalkulierten Missachtung vieler Aspekte der Plattform. Diese Vermittlerrolle verschafft den Plattformen unzählige Möglichkeiten. Beispielsweise überwachen sie Transaktionen > und entscheiden bei Streitfällen, was früher dem Staat vor­behalten war. Mit dieser neuen einflussreichen Rolle erlangen die Plattformen einefunktionale Souveränität. Dieser Begriff weist auf das Ausmaß der Macht hin, die ein Privatunternehmen ausüben kann, wenn es nicht länger einer von vielen Markt­teilnehmer_innen ist, sondern zur Oberaufsicht und zum Orga­nisator der tatsächlichen Marktteilnehmer_innen geworden ist.