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Ethik in der Digitalisierung : der Bedarf für eine Corporate Digital Responsibility
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Christian Thorun, Sara Elisa Kettner und Johannes Merck DIREKT 17/ 2018 ETHIK IN DER DIGITALISIERUNG Der Bedarf für eine Corporate Digital Responsibility AUF EINEN BLICK In jüngster Zeit hat die gesellschaftliche Diskussion über eine verantwortliche Unternehmensführung in der digitalen Welt an Dynamik gewonnen. In diesem Beitrag zeigen wir auf, dass Bürger_innen von Staat und Unternehmen erwarten, die digitale Transforma­tion verantwortlich zu gestalten. Wir erläutern, wie das Konzept der Corporate Digital Responsibility dazu beitragen kann, Unternehmen hierbei eine Richtschnur zu geben, und wir skizzieren wie das Thema durch eine Multi-Akteurs-Plattform vorangebracht werden kann. geführt wird, einzuordnen, 3. zu definieren, welche Handlungs­felder in der Corporate Digital Responsibility von besonderer Relevanz sind und 4. Vorschläge zu unterbreiten, wie die gesamt­gesellschaftliche Diskussion über das Thema forciert werden sollte. Hierbei stützt sich dieser Artikel u.a. auf Daten aus einer Bevölkerungsbefragung mit 1.000 Bürger_innen 1 , die im Juni 2018 durchgeführt wurde(Kettner/Thorun 2018). ERWARTUNGEN DER BÜRGER_INNEN AN EINE VERANTWORTUNGSÜBERNAHME IN DER DIGITALEN WELT In den letzten Monaten sind die Forderungen aus Politik und Wirtschaft für eine ethische Gestaltung der Digitalisierung und innovative Politikansätze zur Abfederung der Auswirkungen der Digitalisierung auf die Gesellschaft lauter geworden. So sprachen sich etwa Bundespräsident Steinmeier im Mai 2018 für eine Ethik der Digitalisierung aus, Bundesjustiz- und Verbraucher­schutzministerin Barley forderte Unternehmen im März 2018 auf, Verantwortung in der Digit­alisierung zu übernehmen, Siemens­Chef Kaeser plädierte im Januar 2018 für eine Maschinensteuer, der Telekom-Vorstandsvorsitzende Höttges sprach sich vor dem Hintergrund eines Wegfalls von Arbeitsplätzen durch die Digi­talisierung im letzten Jahr für ein bedingungsloses Grundein­kommen aus und Otto-Chef Birken forderte jüngst, Werte nicht an der Garderobe der Digitalisierung abzugeben. Diese Beispiele zeigen, dass in Politik und Wirtschaft zu­nehmend erkannt wird, dass die Debatte über die digitale Trans­formation unserer Gesellschaft nicht nur technologisch, betriebswirtschaftlich und wirtschaftspolitisch, sondern auch normativ geführt werden muss. Hierbei stellt sich gerade für Unternehmen die Frage, was unternehmerische Verantwor­tung in der digitalen Welt, d.h. Corporate Digital Responsib­ ility (CDR), konkret bedeutet. Ziel dieses Beitrags ist es, 1. die Erwartungen der Bürger_innen an eine Verantwortungsübernahme in der digitalen Welt aufzu­zeigen, 2. das Konzept der Corporate Digital Responsibility in den Diskurs über eine verantwortliche Unternehmensführung, der seit Jahren unter dem Begriff der Corporate Responsibility Auch wenn die eingangs genannten Beispiele zeigen, dass die Frage nach einer Ethik in der Digitalisierung bei Politiker_innen und einigen Wirtschaftsführer_innen angekommen ist, stellt sich die Frage, welche konkreten Erwartungen Bürger_innen an eine verantwortliche Unternehmensführung in der digitalen Welt haben. Derzeit werden in der Öffentlichkeit etwa die Auswirkungen des Einsatzes von Algorithmen(künstlicher Intelligenz) und der Auswertung großer Datenmengen(Big Data) diskutiert. Vor diesem Hintergrund sehen 83 Prozent der Befragten den Staat und 88 Prozent Unternehmen in der Pflicht, digitale Verantwor­tung zu übernehmen(Abbildung 1). Allerdings machen die Befragungsergebnisse auch deutlich, dass es eine Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit gibt und demnach ein gravierender Handlungsbedarf gesehen wird. Abbildung 2 zeigt, dass 65 Prozent der Befragten der Mei­nung sind, dass der Staat seiner digitalen Verantwortung bisher eher nicht nachkommt. Bei den Unternehmen sind es immerhin knapp über der Hälfte, die einen Handlungsbe­darf sehen. >