4.7 Die sozial-liberalen Regierungen Bei der Bundestagswahl 1969 konnte die SPD einen Zuwachs an Stimmen verzeichnen. Zwar erhielt die Union die meisten Stimmen, aber SPD und FDP gemeinsam hatten eine Regierungsmehrheit. Sie bildeten die erste sozial-liberale Koalition. Am 21. Oktober 1969 wählten die Abgeordneten im Bundestag Willy Brandt zum ersten sozialdemokratischen Bundeskanzler. In seiner Regierungserklärung fasste Willy Brandt die Leitlinie für die Koalition mit folgenden wichtigen Worten zusammen: „Wir wollen mehr Demokratie wagen!“ Willy Brandt wird 1913 als uneheliches Arbeiterkind geboren. Sein politisch interessierter Großvater ermöglicht ihm den Besuch des Gymnasiums. Willy Brandt ist Mitglied der Sozialistischen Arbeiterjugend und seit 1930 in der SPD. 1933 flieht er vor den Nationalsozialisten nach Norwegen und später nach Schweden. Er arbeitet als Journalist und ist für den Widerstand aktiv. Willy Brandt kehrt 1945 nach Deutschland zurück. Seit 1949 ist er Abgeordneter der SPD im Bundestag. Seit 1955 ist er Regierender Bürgermeister von Berlin. 1966 tritt er als Außenminister in die Bundesregierung ein. Von 1969 bis 1974 ist er Bundeskanzler. Von 1964 bis 1987 ist Willy Brandt auch Parteivorsitzender der SPD. Für seine neue Ostpolitik der Verständigung und Annäherung erhält Willy Brandt 1971 den Friedensnobelpreis. Willy Brandt stirbt 1992. 82
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