FES impuls Marius Müller-Hennig Innere Sicherheit gleichrangig mitdenken Anforderungen für die Entwicklung einer nationalen Sicherheitsstrategie Auf einen Blick • Der Bundestag sollte die Bundesregierung auffordern, regelmäßig nationale Sicherheitsstrategien vorzulegen. Hierfür müssen die institutionellen Grundlagen geschaffen und ein systematischer Prozess entworfen werden. • Eine nationale Sicherheitsstrategie darf nicht allein aus Perspektive der internationalen Sicherheit entwickelt werden. Sie muss die innere Sicherheit gleichrangig berücksichtigen. • Zusätzlich braucht es eine strategische Überprüfung der Haushalte für innere und äußere Sicherheit. Die sicherheitspolitische Zeitenwende und der Bedarf für mehr Strategie Angesichts des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine hat sich die Diskussion um die deutsche Sicherheitspolitik geradezu explosionsartig entwickelt. Die Begriffe einer„Zeitenwende“ und einer sicherheitspolitischen„180°-Wende“ finden besonders viel Resonanz. Dabei ist das Bild der 180°-Wende durchaus problematisch. Während es für Einzelentscheidungen wie z. B. die Waffenlieferungen an die Ukraine noch passen mag, zeigt der Blick auf das gesamte Spektrum der Sicherheitspolitik, dass hier kein abrupter Kurswechsel um 180° stattfindet. Denn Deutschland, seine Alliierten und andere Partner haben durchaus auf die russische Annexion der Krim und den Krieg in der Ostukraine reagiert. So wurden Sanktionen verhängt und der deutsche Verteidigungshaushalt wurde von 32,44 Milliarden Euro in 2014 auf 46,93 Milliarden Euro in 2021 erhöht – ein Zuwachs von 44 Prozent in sieben Jahren. Die Reaktion des Westens und insbesondere Deutschlands blieb allerdings reaktiv und hat weitgehend darauf verzichtet, selber an der Eskalationsspirale zu drehen: sowohl in den Jahren seit 2014 als auch in den Wochen und Monaten des russischen Aufmarsches 2021/2022. Gerade im Kontrast zum Bemühen des Westens, der Eskalation keinen Vorschub zu leisten, wurde die Aggressivität und die Völkerrechts- und Menschenrechtsverachtung im jüngsten Vorgehen der Russischen Föderation unter Wladimir Putin besonders deutlich sichtbar. Wenn jetzt ein Sondervermögen für die bessere Ausstattung der Bundeswehr auf den Weg gebracht wird und die Verteidigungsausgaben dauerhaft auf über zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts(BIP) steigen sollen, wird die bisherige Politik der Lage angemessen verstärkt und ein deutliches politisches Signal nach innen wie außen gesendet. Eine 180°-Wende der deutschen Sicherheitspolitik insgesamt bedeutet das hingegen nicht. Angesichts dieser Bereitschaft, in großem Umfang zusätzliche Ressourcen für die Sicherheitspolitik zu mobilisieren, stellt sich die Frage, wofür diese eingesetzt werden. Damit rückt ein bisher kaum wahrgenommenes Projekt des Koalitionsvertrags ins politische Rampenlicht: die Entwicklung einer nationalen Sicherheitsstrategie. Der Sinn einer nationalen Sicherheitsstrategie Die Forderung nach einer nationalen Sicherheitsstrategie ist nicht neu. Was aber soll sie überhaupt leisten? Im Kern handelt es sich bei einer nationalen Sicherheitsstrategie um einen Plan, der beschreibt, wie man die eigenen sicherheitspolitischen Ziele mit begrenzten Ressourcen in einem kompetitiven Umfeld erreichen möchte. Sie zeichnet sich also dadurch aus, dass sie: i) die eigenen sicherheitspolitischen Interessen und Ziele klar definiert und priorisiert; ii) die eigenen begrenzten Ressourcen in Rechnungen stellt und den strategischen Prioritäten zuordnet; Innere Sicherheit gleichrangig mitdenken— FES impuls 1
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Innere Sicherheit gleichrangig mitdenken : Anforderungen für die Entwicklung einer nationalen Sicherheitsstrategie
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