APR 2022 MANAGERKREIS DER FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG Sustainable Finance: Klare Regeln für die Finanzwirtschaft und ein ganzheitlicher politischer Ansatz Stefan Marx, Karl-Peter Schackmann-Fallis, Florian Witt Mitglieder der AG Finanzen des Managerkreises • Kundinnen und Kunden, Politik und Aufsicht erwarten zu Recht von der Finanzwirtschaft, dass sie Nachhaltigkeitsaspekte immer stärker in ihre Geschäftsprozesse einbezieht. Die wirtschaftlichen Risiken, die sich aus dem menschengemachten Klimawandel ergeben, werden sich zunehmend auf Investitionen und Kreditvergabe auswirken. Der Drang zu„Sustainable Finance“ ist aber ein regulatorischer Umweg. Nötig wäre eine mutigere Bepreisung von Emissionen und anderem umweltschädlichem Verhalten. • Die europäisch(und in vielen anderen Staaten der Welt) beschlossenen Sustainable-FinanceRegeln umfassen die Neuausrichtung der Kapitalflüsse hin zu einer nachhaltigeren Wirtschaft, die Bewältigung finanzieller Risiken sowie die Förderung von Transparenz und Langfristigkeit. Dies beinhaltet für die deutsche Wirtschaft viele Chancen, aber auch das Risiko einer Überregulierung. Gerade der Mittelstand droht überfordert zu werden. • Nötig ist deshalb ein breiter Ansatz von Politikmaßnahmen. Das beinhaltet Förderprogramme für die Unternehmen im Umbau, verbindliche soziale Kriterien, eine langfristige Ausrichtung von unternehmerischen Strategien, eine Bekämpfung des„Grünwaschens“ sowie der Erhalt und Ausbau von Naturräumen als natürlichen CO 2 -Senken. Eine nachhaltige Entwicklung und ein sorgsamer Umgang mit den Ressourcen unseres Planeten sind zentrale Ziele von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Überall auf der Welt werden, neben der Bekämpfung der Covid-19-Pandemie, umfangreiche Anstrengungen unternommen, um das derzeit drängendste Umweltproblem, den Klimawandel, anzupacken. Das Ziel einer nachhaltigen Entwicklung nimmt dabei Einfluss auf die Realwirtschaft und seit einiger Zeit auch verstärkt auf die Finanzwirtschaft. Kreditinstitute beziehen Aspekte der ökologischen und gesellschaftlichen Nachhaltigkeit stärker in ihre Geschäftsausrichtung und Entscheidungsprozesse ein. Dies ist zum einen entsprechenden politischen Erwartungen, Kundenwünschen, Bewertungen von Ratingagenturen, kritischer Betrachtung durch Nichtregierungsorganisationen sowie neuen Regulierungs-, Aufsichts- und Transparenzvorgaben zu verdanken. Zum anderen machen zunehmend schlagend werdende physische und transitorische Risiken in den Portfolien eine Nachhaltigkeitsbetrachtung im Investitions- bzw. Kreditvergabeprozess bankbetrieblich unabdingbar. Diese umfangreichen Faktoren induzieren einen Strukturwandel. Alte Industrien und Wirtschaftsstrukturen mit bisher bewährten Geschäftsmodellen werden sich anpassen müssen, weil ent-
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