MANAGERKREIS DER FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG DEZ 2022 Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen Ein Impulspapier der AG Gesundheit des Managerkreises der Friedrich-Ebert-Stiftung Prof. Dr. Ingo Jungclaussen und Dr. Bernhard van Treeck • In der Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher bestehen schon länger erhebliche Defizite. • Die Corona-Pandemie führt zu weiteren Engpässen, da der Bedarf steigt: 82 % der Kinder und Jugendlichen fühlen sich durch die Pandemie belastet. • Die Gesetzesänderungen von 2019 haben die zukünftigen Zugangsvoraussetzungen zur psycho-therapeutischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen stark eingeschränkt. • Ohne die Fachhochschulen/Hochschulen für angewandte Wissenschaften und die Zugangswege, die sie pädagogischen und sozialen Berufsgruppen eröffnen, wird insbesondere für die Zukunft keine bedarfsgerechte Versorgung möglich sein. Zentrale Probleme der Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher werden seit Jahrzehnten diskutiert, aber nicht gelöst. Dabei hat die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in der Corona-Pandemie im Besonderen gelitten. Der zurückliegende Anstieg der Psychotherapeut_innen für Kinder und Jugendliche ist zunächst zu begrüßen – gleichzeitig gaukelt dieser eine Scheinsicherheit vor. Zum einen ist der Bedarf größer, was nicht zuletzt die Corona-Pandemie gezeigt hat. Zum anderen wurde durch die gesetzlichen Veränderungen des früheren Gesundheitsministers, Jens Spahn, zentralen Berufsgruppen der Zugang zur psychotherapeutischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen für alle Zeiten versperrt. Durch dieses gesetzliche Austrocknen des Nachwuchses ist für die Zukunft ein substantieller Versorgungsnotstand für die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen zu erwarten. Um diese falsche Weichenstellung zu korrigieren, ist der Gesetzgeber aufgerufen, gegenzusteuern. Darum geht es primär in diesem Papier. Die Datenlage zur psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen während der Corona-Krise ist mittlerweile gut. Die Ergebnisse der federführenden deutschen COPSY-Längsschnittstudie vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf unter der Leitung von Prof. Dr. Ravens-Sieberer 1 belegen, dass sich eineinhalb Jahre nach Pandemiebeginn im Herbst 2021 noch 82 % der Kinder und Jugendlichen durch die Pandemie belastet fühlten. Hierbei nimmt die psychische Belastung einen zentralen Stellenwert ein(s. Tabelle). Psychische Auffälligkeiten, vor allem im Bereich Angst und Depression, stiegen im Pandemieverlauf signifikant an. Die Belas1 https://www.uke.de/kliniken-institute/kliniken/kinder-und-jugendpsychiatrie-psychotherapie-und-psychosomatik/forschung/arbeitsgruppen/ child-public-health/forschung/copsy-studie.html https://www.aerzteblatt.de/archiv/224865/Seelische-Gesundheit-undGesundheitsverhalten-von-Kindern-und-Eltern-waehrend-der-COVID19-Pandemie
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Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit psychischen Erkrankungen : ein Impulspapier der AG Gesundheit des Managerkreises der Friedrich-Ebert-Stiftung
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