Nr. 3 . März 2012 S pu ta n n kt d Diskussionsimpulse und Konzepte des Landesbüros Hessen der Friedrich-Ebert-Stiftung Eine soziale Spaltung der Städte droht! Anforderungen an eine sozialraumsensible Landespolitik Heiner Brülle* AUF DEN PUNKT GEBRACHT Die zunehmende soziale Ungleichheit in unserer Gesellschaft führt insbesondere in den Städten zu einer sozialen Spaltung in arme und reichere Stadtteile. Nicht die Segregation von Einwanderern – ethnische Parallelgesellschaften sind glücklicherweise eine Fiktion – sondern die Segregation von Menschen mit prekärem Einkommen und niedriger Bildung auf der einen Seite und die zunehmende Herausbildung von Villen- und Oberschichtsvierteln auf der anderen Seite sind das Problem für die soziale Integration der Städte. Die Lebenschancen von Menschen werden nicht nur über Einkommen und Bildung nachhaltig bestimmt sondern auch verstärkt oder geschwächt über die soziale Struktur ihres Wohnviertels. Dies erfordert eine sozialraumsensible Förderpolitik. Stadtteile und deren Schulen, Kindertagesstätten etc. mit vielen armen herkunftsbenachteiligten jungen Menschen benötigen eine andere, bessere Personalausstattung als solche mit vorwiegend bürgerlichem Klientel; benachteiligte Stadtteile benötigen integrierte Ganztagsschulen, gut ausgestattete Kindertagesstätten, die jedem Kind spätestens ab zwei Jahren einen Ganztagsplatz ermöglichen und Familienbildungsangebote. Eine soziale Wohnungspolitik muss wieder preisgünstigen Wohnraum schaffen, nicht in neuen Großsiedlungen, sondern verpflichtend eingestreut in allen Wohnbaumaßnahmen. Das Land – am besten verknüpft mit Bundesprogrammen wie „Soziale Stadt“ – muss den Kommunen eine differenzierte bedarfsgerechte Sozialraumpolitik ermöglichen, die auf die Teilhabe und Mitwirkung der Menschen baut. * Die Ausführungen und Schlussfolgerungen sind vom Autor in eigener Verantwortung vorgenommen worden. In den Städten ist die zunehmende soziale Spreizung und eine Polarisierung der Lebenslagen, eine zunehmende Armutsgefährdung immer größerer Bevölkerungsschichten sowie kulturelle und ethnische Polarisierungen ein wachsendes Problem. Gepaart mit der offensichtlichen Überforderung der Bildungspolitik Teilhabegerechtigkeit zu ermöglichen, verschärft sich die Situation in vielen Quartieren unübersehbar. Zur Bedeutung des sozialräumlichen Umfeldes Der soziale Raum eines Stadtteils bietet eine spezifische soziale Infrastruktur und damit einen sozialen Rahmen für die Lebensführung der Menschen. Die physisch geografische Umwelt, die konkreten Wohn- und Wohnumfeldbedingungen und die verfügbaren Arbeits-, Interaktions- und Lernorte(Arbeitsstätten, Geschäfte, Gastronomie, Bildungseinrichtungen, Vereine, Verkehrskreise) bilden die soziale Infrastruktur für die individuelle Lebensführung eines jeden Menschen. Die im sozialen Raum erlebten Interaktions- und Kommunikationsformen, die gelebten sozialen Normen, Werte und Kulturen sowie die Art und Weise der sozialen Kontrolle und allgemein die Fähigkeiten der anderen Menschen sind Teil des sozialen Rahmens, in denen Individuen und soziale Gruppen entscheiden, handeln und sich verhalten. Unterschiedlich sozialstrukturell ausgestattete Stadtteile beeinflussen die Lebenschancen und Unterstützungsbedarfe ihrer Bevölkerung.
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Eine soziale Spaltung der Städte droht! : Anforderungen an einer sozialraumsensible Landespolitik
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