Marian Jacobs Klimaneutrale Wärme in Deutschland Als Teil der Daseinsvorsorge zu einer klaren Steuerungslogik AUF EINEN BLICK Die kommunale Wärmeplanung und das Gebäudeenergiegesetz waren wichtige und richtige Schritte für die Dekarbonisierung des deutschen Gebäudesektors. Trotz der Festlegungen des Wärmeplanungsgesetzes deutet die aktuelle Studienlage und Planungssituation jedoch darauf hin, dass in der gegenwärtigen Systematik große soziale Verwerfungen auf Teile der Bevölkerung zukommen werden. Wie diese aus Perspektive der Daseinsvorsorge bereits jetzt im kommunalen Planungsprozess mitgedacht und damit verhindert werden müssen, zeigt der vorliegende Beitrag. Im Mittelpunkt steht dabei die Erkenntnis, dass klimaneutrale Wärme flächendeckend und sozial gerecht nur mit einer klaren Steuerungslogik realisiert werden kann. 1. EINLEITUNG Gemäß dem Bundes-Klimaschutzgesetz(KSG) müssen die Emissionen des Gebäudesektors im Jahr 2040 um 88 Prozent gesunken sein, um fünf Jahre später die Treibhausgasneutralität erreichen zu können. Um diese rechtliche Vorgabe erfüllen zu können, hat die Bundesregierung mit dem Gebäudeenergiegesetz(GEG) und Wärmeplanungsgesetz(WPG) eine wichtige gesetzliche Grundlage geschaffen. Mit der bundesweiten Verpflichtung zur Vorlage kommunaler Wärmepläne sollen Bürger_innen sowie Unternehmen Planungssicherheit darüber bekommen, wo sie mit einer zentralen Wärmeversorgung rechnen können und wo nicht. Während die Wärmeplanung ein Schlüsselinstrument sein könnte, um die Dekarbonisierung im Wärmesektor auf einem effektiven und sozial abgesicherten Pfad zu erreichen, verzichtet das WPG jedoch auf eindeutige und verbindliche Definitionen der formulierten Ziele. Eine gemäß§1 WPG folgende kosteneffiziente, nachhaltige, sparsame, bezahlbare, resiliente sowie treibhausgasneutrale Wärmeversorgung kann je nach Perspektive und vorhandenen Ressourcen unterschiedlich interpretiert, geplant und auch umgesetzt werden. Vor dem Hintergrund der Transformationskosten, entstehend durch die CO₂- und Investitionskosten, sowie der ungleichen Vermögenssituation in Deutschland fehlt eine klare Ausrichtung der Planung auf ein sozio-ökonomisches Optimum. Dies lässt eine konsequente Berücksichtigung der sozialen Situation betroffener Haushalte notwendig erscheinen. Auch wenn die Planung von kommunaler Infrastruktur eine subsidiäre Frage ist, braucht die Wärmeplanung für gleichwertige und klimaneutrale Lebensverhältnisse ein nachhaltiges Engagement des Bundes(vgl. Bläsius/Ostermeyer 2024). Andernfalls wird sie zu sozial suboptimalen und regional sehr unterschiedlichen Ergebnissen kommen. In diesem Beitrag 1 sollen die politischen Notwendigkeiten für eine klare Steuerungslogik und fest definierte Optimierungsziele der Wärmeplanung dargestellt werden. Dafür ist entscheidend, Wärme stärker aus Perspektive der öffentlichen Daseinsvorsorge zu betrachten. Zwar ist die Erstellung und Fortschreibung des kommunalen Wärmeplans bereits Teil der kommunalen Daseinsvorsorge(siehe Klimaschutzgesetz Baden-Württemberg), jedoch ist diese im Hinblick auf die bundesweite Wärmeplanung und-wende unzureichend infrastrukturell verankert. Somit bleiben die materiellen Voraussetzungen der Vorsorge für soziale Klimapolitik unterentwickelt. Die Überlegungen dieses Beitrags basieren auf einem Workshop, den die Friedrich-Ebert-Stiftung(FES) im Juni 2024 in Berlin durchgeführt hat. Die klare Erkenntnis dabei war, dass Wärme als Daseinsvorsorge ein zentraler Aspekt für eine politische Steuerungslogik sein kann, wenn sie bereits mit in den Planungsprozess integriert wird. Klimaneutrale Wärme in Deutschland— FES impuls 1
Druckschrift
Klimaneutrale Wärme in Deutschland : als Teil der Daseinsvorsorge zu einer klaren Steuerungslogik
Entstehung
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten