Tobias Mast Resilienz des deutschen Mediensystems stärken AUF EINEN BLICK Es ist ein Dilemma: Journalismus generell und öffentlich-rechtlicher Rundfunk im Besonderen stehen gerade zu den Zeiten unter Druck, in denen ihre Arbeit gesellschaftlich besonders bedeutsam ist. In Staaten, in denen extremistische und populistische Kräfte Regierungsverantwortung erlangen, geraten unabhängige Medien regelmäßig unter Druck. Das deutsche Mediensystem erweist sich hierfür als besonders verletzlich. Um gegenzusteuern, bieten sich Rechtsänderungen auf mehreren Ebenen an. ANALYSE 1. ÖFFENTLICH-RECHTLICHER RUNDFUNK UND(RECHTS-)POPULISMUS wendenden Präsidenten Donald Trump(Carlson et al. 2021), Polen mit seinem in Linie der PiS-Partei gebrachten öffentlichrechtlichen Rundfunk(Bill/Stanley 2020) oder das illiberal regierte Ungarn Orbáns(Griffen 2020; Stępińska et al. 2024). In Deutschland wählte eine sprachwissenschaftliche Jury bereits im Jahr 2014„Lügenpresse“ zum Unwort des Jahres, nachdem die islamfeindliche Pegida-Bewegung dieses wiederholt skandiert hatte. Derzeit schwebt der AfD insbesondere unter dem Thüringer Parteivorsitzenden Björn Höcke vor, den ÖRR in einen„Grundfunk“ nach eigenen Vorstellungen umzugestalten(Mast/Laude 2024; vgl. Jobs 2024: 6f.). Bei den Landtagswahlen 2024 erreichte die Partei neue Höchstwerte: In Thüringen ist sie mit 32,8 Prozent der Stimmen die stärkste Kraft, sowohl in Sachsen als auch in Brandenburg liegt sie mit 30,6 Prozent bzw. 29,2 Prozent der Stimmen knapp auf dem zweiten Platz. Ihre medien- und rundfunkpolitische Agenda sollte deswegen ernstgenommen und in ihren potenziellen Auswirkungen demokratisch, medienwissenschaftlich und juristisch bewertet werden. 2. DEUTSCHER MEDIENFÖDERALISMUS Populist_innen und Rechtsextreme sehen im freien Journalismus und insbesondere in seiner Ausgestaltung eines mit öffentlichen Mitteln finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunks(ÖRR) einen natürlichen Gegner. Dessen Auftrag, unabhängig und wahrheitsgemäß zu berichten, steht im Widerspruch zur populistischen Strategie, Emotionen zu schüren und die eigene Agenda unhinterfragt durchzusetzen. Der ÖRR wird als Teil eines vermeintlichen Systems der Manipulation angesehen und soll durch Mittelkürzungen oder Auftragsänderungen geschwächt oder aber als politisches Instrument in Dienst genommen werden, um die eigene Macht zu stärken(Holtz-Bacha 2024: 159–168). Dementsprechend zeigen sich wiederkehrende medienpolitische Muster in Demokratien, in denen(rechts-)populistische Kräfte an die Macht gelangen. Seien es nun die USA unter dem den„Fake Media“ abschwörenden und sich den sozialen Medien zuDas deutsche Medienrecht zeichnet sich durch Besonderheiten aus, die weniger in den inhaltlichen Vorgaben für Medienschaffende und Journalist_innen zu finden sind als in dem Ziel, 16 Bundesländer mit jeweils eigener Medienkompetenz an gemeinsame übergeordnete Vorgaben zu binden. a) Keine Bundeskompetenz für Medienrecht Medienrecht ist Ländersache. Der Bund kann keine eigenen Mediengesetze erlassen. Das ist die Antwort des Grundgesetzes auf die historischen Erfahrungen des als Propagandainstrument missbrauchten Hörfunks im nationalsozialistischen Deutschland 1933–1945(Koch 2003). Als Konrad Adenauer dennoch ein vom Bund verantwortetes Fernsehprogramm, das Deutschland-Fernsehen, aus der Taufe heben wollte, schob das Bundesverfassungsgericht(BVerfG) dem Resilienz des deutschen Mediensystems stärken— FES impuls 1
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