FES BRIEFING DAS ABKOMMEN VON ESCAZÚ Auswirkungen des Abkommens auf die Wirtschaft Lateinamerikas und seine Handelspolitik Astrid Becker Mai 2022 HINTERGRUND Lateinamerika verfügt neben großen Rohstoffvorkommen über große Biodiversität und für das Weltklima relevante Ökosysteme wie das Amazonasgebiet. Der Reichtum an Ressourcen wie Erzen oder großen landwirtschaftlichen Nutzflächen hat jedoch auch dazu geführt, dass Lateinamerika in der weltwirtschaftlichen Arbeitsteilung vor allem als Exporteur von Rohstoffen und als Anbieter günstiger Arbeit eine Rolle spielt. Aktuell ist Lateinamerika die wichtigste Region für Investitionen im Bereich der Förderung von Rohstoffen durch Bergbau, 2018 beispielsweise flossen 28 Prozent der globalen Investitionen in die lateinamerikanischen Länder. Zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie werden viele Regierungen auf die forcierte Ausbeutung ihrer Bodenschätze wie Kupfer, Lithium, Gold oder Erdöl und die Rodung weiterer Waldflächen setzen, um auf die weltweit wachsende Nachfrage nach Erzen und Agrarprodukten, insbesondere Soja und Rindfleisch, reagieren zu können. Verbunden damit sind große Infrastrukturprojekte wie der Bau von Staudämmen, Windparks, Häfen oder Straßen, um die für die Erzeugung und den Export der Produkte notwendigen Rahmenbedingungen garantieren zu können. Der Bau von Bergwerken, Infrastruktur und die Schaffung neuer Agrarflächen führt zur Zerstörung von Lebensräumen lokaler Bevölkerungsgruppen und indigener Gemeinden sowie zahlreicher Ökosysteme. Auch große Tourismusprojekte und der Flächenverbrauch für die Erzeugung erneuerbarer Energien, insbesondere durch Staudämme oder Solarparks, tragen zu dieser Entwicklung bei. Zwar verfügen die meisten Länder Lateinamerikas über eine fortschrittliche Umweltgesetzgebung, allerdings werden die Vorgaben z. B. für die Durchführung von Umweltverträglichkeitsstudien, die Berücksichtigung der Interessen der lokalen Bevölkerung und deren Partizipationsrechte oft nicht eingehalten. In vielen Fällen profitiert die lokale Bevölkerung zudem nicht oder nur unzureichend von den wirtschaftlichen Vorteilen der Investitionen. Entsprechend hoch ist das Konfliktpotential: Häufig schlagen Proteste gegen die Großprojekte in gewalttätige Auseinandersetzungen um, verbunden mit der Kriminalisierung der Protestierenden, Vertreibungen und Menschenrechtsverletzungen. Ein Beispiel dafür sind die seit 2018 andauernden Proteste gegen das Kupferbergwerk»Las Bambas« in Peru, die zeitweise zum Stopp des Betriebes führten. Die gewaltsame Niederschlagung von Protesten durch Polizei, Militär oder gezielte Einschüchterungen findet man in zahlreichen Ländern der Region, die seit Jahren zu den gefährlichsten für Umweltaktivist_innen zählt. Lt. Angaben der NGO Global Witness wurden 2020 weltweit 227 Umweltaktivist_innen ermordet, davon 165 alleine in Lateinamerika, vor allem in Kolumbien und Mexiko. DIE WICHTIGSTEN INHALTE DES ESCAZÚ-ABKOMMENS »Das Abkommen über den Zugang zur Information, politischer Beteiligung und zum Justizsystem in Umweltangelegenheiten in Lateinamerika und der Karibik«, kurz Escazú-Abkommen genannt, trat im April 2021 in Kraft. Es ist ein innovativer völkerrechtlich verbindlicher Vertrag, der bisher von 13 Staaten ratifiziert wurde, und einen neuen Rahmen für Umwelt- und Menschenrechte in der Region schafft. Die vier zentralen Säulen des Escazú-Abkommens sind: – Zugang zu umweltrelevanter Information, auch in lokalen Sprachen und in verständlicher Form; – Aufbau eines spezialisierten Justizwesens zu Umweltfragen mit qualifiziertem Personal; – neue und weitgreifende Regelungen für Partizipationsverfahren der Zivilgesellschaft bei sie betreffenden Investitionen; – besondere Schutzmechanismen für Umweltaktivist_innen. Die Inhalte des Abkommens greifen damit die existierenden Probleme konkret auf und bieten Lösungsansätze. Als Beispiel diente die Aarhus-Konvention, die 2001 in Europa in Kraft getreten ist und den Zugang zu Informationen, die Öffentlichkeitsbeteiligung an Entscheidungsverfahren und den Zugang zu Gerichten in Umweltangelegenheiten regelt. Das Escazú-Abkommen ergänzt zudem andere internationale Verträge wie die ILO-Konvention 169 zur Konsultierung von 1
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Das Abkommen von Escazú : Auswirkungen des Abkommens auf die Wirtschaft und seine Handelspolitik
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