Håkan A. Bengtsson Europäische Souveränität Kommentar zu den Ergebnissen der Umfrage in Schweden EUROPÄISCHE UND NATIONALE SOUVERÄNITÄT AUS SCHWEDISCHER PERSPEKTIVE Aus der Umfrage der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Fondation Jean Jaurès ergibt sich unter anderem, dass in Schweden mehr Menschen positiv zur Souveränität eingestellt sind als im europäischen Durchschnitt, und dass weniger von ihnen eine negative Einstellung dazu haben. Der Anteil jener, die die Souveränität positiv sehen, steigt mit Alter und Einkommen. Relativ viele Schwedinnen und Schweden betonen Unabhängigkeit, individuelle Freiheit und eigenständige Regierung als positive Konzepte. Allerdings stehen Macht und Nationalismus nicht sehr hoch im Kurs. Die Schweden scheinen die Bedeutung europäischer Souveränität anzuerkennen und zu verstehen. In diesem Zusammenhang halten zwei Drittel von ihnen die Kontrolle der Außengrenzen für besonders wichtig. Im Gegensatz zu den anderen Ländern aus der Befragung bewerten etwas mehr als die Hälfte(56 %) der Schweden die europäische Souveränität positiv. Die schwedische Sichtweise der europäischen Souveränität unterscheidet sich je nach Altersgruppe, dennoch halten es die Schweden für wichtig, dass diese gestärkt wird. Hinsichtlich dessen steht bei den Themen, um die sich ein souveränes Europa kümmern sollte, der Kampf gegen den Terrorismus weiter oben auf der Liste als jener gegen den Klimawandel, aber als wichtig wird auch Europas Rolle eingeschätzt, den chinesischen und russischen Machtansprüchen zu begegnen und entgegen zu wirken. Alles in allem zeigt sich so ein ziemlich fragmentiertes Bild der schwedischen Ansichten über nationale und europäische Souveränität. Wie können wir die Ergebnisse der Umfrage aus einer historischen Perspektive verstehen? HISTORISCHES ERBE Die große Frage ist, ob die schwedische Idee von Unabhängigkeit und Souveränität für Schweden oder die EU besondere Merkmale hat. Dazu muss untersucht werden, ob das schwedische Selbstverständnis damit zusammen hängt, dass Schweden eine konstitutionelle Monarchie ist, die im Laufe des 20. Jahrhunderts mit Demokratie, einem hohen Maß an Gleichheit, einem entwickelten Wohlfahrtsstaat, einer extrem starken Gewerkschaftsbewegung und, zeitweise, einer politisch dominanten Sozialdemokratie in Verbindung gebracht wurde. Dieses Paradox – dass die historischen Hochburgen der Sozialdemokratie in den nordischen Monarchien entstanden sind – ist an sich schon interessant. Wie auch in anderen nordischen Ländern wurden die Rolle und die Macht des schwedischen Königshauses allerdings nach und nach auf rein zeremonielle Verpflichtungen beschränkt. Darüber hinaus war Schweden – im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern und seinen nordischen Nachbarn – seit über 200 Jahren an keinem Krieg mehr beteiligt. Verglichen mit anderen kann das Land auf eine friedliche Geschichte ohne viele
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Europäische Souveränität : Kommentar zu den Ergebnissen der Umfrage in Schweden
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