Julia Bringmann, Michaela Evans-Borchers Die digitale Dividende in der Pflege Warum sie nicht ankommt, und was wir dagegen tun können Digitale und KI-basierte Anwendungen sollen Pflegekräfte entlasten. Jedoch ist das nicht automatisch gewährleistet: Den Kliniken, ambulanten Diensten und Einrichtungen der stationären Langzeitpflege fehlt oft das Wissen, welche Anwendungen Zeit sparen und wie diese erfolgreich bei knappen finanziellen und personellen Ressourcen in den Arbeitsalltag integriert werden können. Um für eine Dividende der Digitalisierung in der Pflege zu sorgen, ist es daher wichtig, die Wirksamkeit von Anwendungen gezielt auf Entlastung zu prüfen und diese Erkenntnisse der Pflegepraxis zugänglich zu machen. Bewährte Anwendungen sind umfassend zu fördern. Gleichzeitig benötigt die ambulante und stationäre Pflege Unterstützung, um Fehlwirkungen von Digitalisierungsprojekten zu vermeiden. Die regionale Bündelung von Ressourcen unterstützt bei der Umsetzung entlastungsförderlicher Digitalisierung. EINLEITUNG Der Bedarf an Pflegekräften wird bis 2049 bundesweit erheblich steigen, gleichzeitig droht auf dem Arbeitsmarkt eine Verschärfung des Pflegefachpersonalmangels: Mit einer Lücke von bis zu 690.000 Pflegekräften in Krankenhäusern, Pflegeheimen und ambulanten Pflege- und Betreuungsdiensten werden Strategien dringlicher, um die Versorgungsqualität zu halten und für die Entlastung von Pflegekräften zu sorgen (Destatis 2024). Ursächlich sind sowohl die steigende Nachfrage nach professionellen Pflegedienstleistungen aufgrund des demografischen Wandels, das Mismatch von Angebot und Nachfrage nach Pflegefachpersonal sowie altersbedingte Renteneintritte. Es drohen Kipppunkte auf regionalen Pflegearbeitsmärkten: Ende der 2020er Jahre werden altersbedingte Austritte aus dem Pflegeberuf in vielen Regionen voraussichtlich nicht mehr durch Absolvent_innen von Pflegefachschulen ersetzt werden können(Klie 2024: 258ff.). Bereits heute sorgt der Fachkräftemangel in der Pflege für Einbußen bei der Versorgung von Pflegebedürftigen und Patient_innen (Sozialverband VdK 2024), z ugleich ist der Krankenstand in der Pflege auf einem Höchststand(Techniker Krankenkasse 2024). Pflegekräfte reduzieren angesichts des hohen Zeitdrucks ihre Arbeitszeit oder gehen früher in Rente(Rothgang et al. 2020: 212ff.), was den bereits vorhandenen Personalmangel zusätzlich verschärft. Für die Sicherung von Versorgungs- und Arbeitsqualität in der Pflege braucht es daher dringend wirksame Entlastungsstrategien(Braeseke 2024; Auffenberg et al. 2023). Digitale und KI-basierte Anwendungen sind ein zentraler Bestandteil solcher Strategien, denn sie eröffnen das Potenzial einer„digitalen Dividende“ 1 , das heißt, sie können arbeitsund versorgungsbezogene Mehrwerte für die professionelle Pflege bieten. Ziel ist es, den Arbeitsaufwand insbesondere bei Routineaufgaben und-tätigkeiten zu reduzieren, Pflegekräfte so zu entlasten und mehr Zeit für die Patientenversorgung zu schaffen(SVR-Gesundheit und Pflege 2024: 148ff.). Die Studienlage zeigt, dass Pflegekräfte der Nutzung digitaler Anwendungen aufgeschlossen gegenüberstehen(BMG 2023a). Insbesondere Einrichtungen der stationären und ambulanten Langzeitpflege zögern jedoch oft, in solche Lösungen zu investieren, da die Einführung mit vielen Hürden verbunden ist(siehe folgende Ausführungen sowie Lutze et al. 2021: 137f.). Der Krankenhaussektor hat durch das Krankenhauszukunftsgesetz(KHZG) einen Digitalisierungsschub erlebt. Ob dieser zu Entlastung oder zu Mehrarbeit für Pflegekräfte geführt hat, ist uneindeutig(Bringmann/Evans-Borchers 2024). Insofern ist festzuhalten: Es besteht dringender Handlungsbedarf, um das Potenzial einer„digitalen Dividende“ in allen Settings festzustellen und zu fördern. Das vorliegende Impulspapier spricht hierzu Empfehlungen aus, die sich u. a. an Abgeordnete im Bundestag und den Landtagen, an Entscheider_innen im Bundesministerium für Gesundheit(BMG) und im Bundesministerium für Arbeit Die digitale Dividende in der Pflege – warum sie nicht ankommt, und was wir dagegen tun können— FES impuls 1
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Die digitale Dividende in der Pflege : warum sie nicht ankommt, und was wir dagegen tun können
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