Kooperation zwischen den drei Atommächten der NATO: die USA, das Vereinigte Königreich und Frankreich. Laut Nicholas Lokker und seinen Ko-Autor_innen vom Center for a New American Security sollten die Verbündeten Frankreich darin bestärken, die nuklearen Planungen besser mit den USA und Großbritannien abzustimmen, idealerweise durch den Eintritt Frankreichs in die Nukleare Planungsgruppe der Allianz(Lokker et al. 2023, S. 5). Die Expert_innen debattierten zudem darüber, ob und wie die östlichen NATO-Verbündeten in die nukleare Teilhabe einbezogen werden sollten(Donnelly et al. 2024, S. 1). Eini ge befürworten, dass Polen(und potenziell andere östliche Staaten der NATO) nuklearwaffenfähige Kampfflugzeuge ( dual-capable aircrafts – DCA) erwerben und US-amerikanische Atomwaffen im Land stationiert(Peters 2023, S. 5). Dies galt lange als ein Tabu in der NATO, die sich 1997 ge genüber Russland verpflichtet hatte, keine Atomwaffen im Gebiet der damals neuen Mitgliedstaaten zu stationieren. Aber angesichts des Krieges in der Ukraine und der Ankündigung Russlands, taktische Nuklearwaffen in Belarus zu stationieren, schlug die polnische Regierung vor, ihr Land in die Vereinbarungen zur nuklearen Teilhabe einzubeziehen. Andere halten die Option, Atomwaffen in der Nähe Russlands zu stationieren, für zu provokativ und schlagen »sanftere« Optionen vor, wie die Überprüfung und Ausbildung polnischer F-35-Piloten für Nukleareinsätze.»Diese Piloten sind für eine bestehende DCA-Einheit der NATO abgeordnet und agieren als ein integraler Bestandteil dieser Einheit auch bei nuklearen Einsätzen«(Edelman und Miller 2024, S. 4–5). Auch die Think-Tank-Debatte über die nukleare Abschreckung wurde von den radikalen Änderungen in den ersten beiden Monaten von Trumps zweiter Präsidentschaft überrollt. Da Atomwaffen für den Großmachtstatus einer Nation stehen, wird Trump wahrscheinlich ihre Bedeutung für die amerikanische Verteidigungspolitik betonen und weiterhin erhebliche Mittel in die Modernisierung dieser Waffen investieren. Da er die Beziehungen zu Russland offensichtlich normalisieren will, ist es jedoch noch unwahrscheinlicher geworden, dass Washington die Vereinbarungen zur nuklearen Teilhabe in der NATO ausweiten oder auf andere Weise stärken wird. Aus ähnlichen Gründen ist es wenig wahrscheinlich, dass Frankreich an einer Annäherung an die nuklearen Strukturen der NATO interessiert sein wird. Im Gegenteil: Im März 2025 erneuerte der französische Präsident Emmanuel Ma cron sein früheres Angebot, über die Rolle der französischen force de frappe für die europäische Sicherheit außerhalb der NATO zu sprechen. Diesmal könnte sein Angebot in Berlin und in anderen europäischen NATO-Hauptstädten auf mehr Interesse stoßen. Die Rüstungskontrolle spielt hingegen seit Russlands Großangriff auf die Ukraine 2022 in der Debatte der US-Expert_ innen nur noch eine geringe Rolle. Der New-START-Vertrag (Neuer Vertrag zur Verringerung strategischer Waffen, New Strategic Arms Reduction Treaty) ist zurzeit der letzte verbliebene große Abrüstungsvertrag zwischen den USA und Russland. Er ist 2011 in Kraft getreten und legt die zahlen mäßigen Grenzen für nuklearen Sprengköpfe und Langstrecken-Trägersysteme auf russischer und US-amerikanischer Seite fest. In ihm sind aber auch umfassende Notifikationsund Verifikationsregelungen festgeschrieben. Im Jahr 2023 setzte Russland seine Teilnahme an dem Vertrag aus. Wie Samuel Charap, John Drennan und Julia Masterson von der RAND Corporation in einem kürzlich erschienenen Bericht erläutern,»gab es[ab dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine] wenig oder keinen bilateralen Dialog zwischen Moskau und Washington über strategische Themen«(Charap et al. 2025, S. 1–2). Trumps Interesse an verbesserten Beziehungen zu Russland bietet auf den ersten Blick neue Möglichkeiten für Rüstungskontrollinitiativen. Im positiven Szenario der RAND-Autor_ innen könnten Russland und die USA weiterhin die zentralen Regelungen des New-START-Vertrags einhalten und gleichzeitig Verhandlungen über einen Folgevertrag aufnehmen. Der derzeitige Vertrag läuft im Februar 2026 aus. Eine weite re Möglichkeit wäre die Wiederbelebung einiger Aspekte des INF-Vertrags(Intermediate Range Nuclear Forces Treaty), beispielsweise durch ein Moratorium für die Stationierung von Nuklearwaffen mittlerer Reichweite in Europa. Schließlich könnten Russland und die USA laut RAND»Normen für das militärische und sicherheitspolitische Verhalten im Weltraum festlegen«(Charap et al. 2025). Es bleibt jedoch abzuwarten, ob wirklich Rüstungskontrollinitiativen gestartet werden würden, selbst wenn Washington sich Russland annähern sollte. In der Vergangenheit gab es viele Hürden für derartige Initiativen. Manche, etwa die Rücksichtnahme auf Abwägungen innerhalb der NATO, könnten für Trump aber in Zukunft weniger ins Gewicht fallen. Der Aufstieg Chinas im Nuklearbereich und die damit verbundene trilaterale Rüstungskontrolldynamik könnten sich jedoch immer noch als ein großes Hindernis erweisen. Mary Chesnut vom Center for Naval Analyses ist der Ansicht, dass die amerikanisch-russische Rüstungskontrolle weniger formalisiert ablaufen und»den Fokus stärker auf die Verringerung nuklearer Risiken legen könnte, denn auf strikte numerische Begrenzungen«(Chesnut 2023, S. 36–37). Lastenteilung, Europäisierung und Reform der NATO In der US-Debatte besteht ein breiter Konsens, dass Europa seine Verteidigungsanstrengungen verstärken muss. Allerdings gibt es unterschiedliche Einschätzungen, wie(stark) die europäischen Staaten ihre finanziellen und militärischen Beiträge erhöhen müssen und was dies für die Strukturen der NATO bedeutet. Transatlantisch-orientierte Kommentator_innen sowohl vom liberalen als auch vom konservativen Lager heben die Fort schritte hervor, insbesondere die seit 2022 steigenden Lastenteilung, Europäisierung und Reform der NATO 9
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Die Zukunft der NATO : von der Führungsmacht zu 'Uncle Sucker': die US-Debatte zur NATO
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