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Demokratie braucht Methode : von A wie Aufsuchen bis Z wie Zukunftshandeln
Entstehung
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Aufsuchende politische Bildung als Chance für Neues Zunächst ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass politische Bil­dung kein starres Konzept ist, das über Jahrzehnte hinweg auf die im­mer gleiche Weise funktioniert. Politische Bildung passt sich den Ver­änderungen und Entwicklungen in der Gesellschaft an. Gemeinsam mit den Menschen müssen diese Entwicklungen auf eine Weise disku­tiert, reflektiert und gestaltet werden, dass alle die Chance bekom­men, sich einzubringen, gehört und respektiert zu werden. Das heißt, es braucht neue Ideen, neue Zugänge zu den Menschen und neue For­mate. Hier kommt die aufsuchende politische Bildung ins Spiel. Die Friedrich-Ebert-Stiftung widmet sich ihr seit über zwei Jahren in ei­nem Pilotprojekt, um eben diese neuen Ideen, Zugänge und Formate auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln, welche die bisherige Bildungsarbeit bereichern können. Doch was genau ist mit aufsuchen­der politischer Bildung gemeint? Was steckt hinter dem Begriffauf­suchend? Politik und politische Bildung wirken auf die Menschen sehr oft elitär, akademisch und hierarchisch. Ihre Angebote sind mit zahlreichen Hürden versehen, welche einen Dialog auf Augenhöhe mit den Teil­nehmenden verhindern. Viele Menschen fühlen sich deshalb nicht an­gesprochen und nicht repräsentiert. Das verstärkt ihren Eindruck, dass ihre Interessen und Bedarfe nicht berücksichtigt werden. Wenn von Politik die Rede ist, erscheint sie wie ein abstraktes, lebensfernes Ge­bilde. Die aufsuchende politische Bildung möchte diese zunehmende Distanz zwischen den Menschen, der Politik und politischen Bildung überwinden, indem sie die Menschen verstärkt in ihrem Alltag auf­sucht und Themen aus der Lebensrealität der Menschen behandelt. Die aufsuchende politische Bildung will die Menschen besser verste­hen und ihnen Politik(wieder) nahebringen. Der aufsuchende Ansatz berücksichtigt dabei fünf Dimensionen: Ort: Aufsuchend in Bezug auf den Ort arbeiten viele politische Bildner_innen bereits, z. B. in ländlichen Regionen oder im Ju­gendbereich. Trotzdem findet das weiterhin zu selten statt, und politische Bildung könnte sich noch konsequenter von ihren räumlich oft isolierten Konferenzsälen und nicht selten sterilen Seminarräumen verabschieden. Anstatt zu erwarten, dass die Menschen zu den Angeboten kommen, müssen sich deren Ak­teure zu den Menschen begeben. Sozial und wirtschaftlich be­nachteiligte Zielgruppen insbesondere in Großstädten und Bal­lungsgebieten können mit Bildungsangeboten nur dort erreicht werden, wo die Menschen leben und arbeiten, wo sie einkaufen und ihre Kinder zur Schule gehen. Der große Vorteil besteht da­bei darin, dass diese Orte den Menschen vertraut und direkt mit ihren Sorgen, Themen, aber auch Emotionen verbunden sind. Bildungsangebote im unmittelbaren Lebensumfeld der Men­Demokratie braucht Methode 13