nen Parteien der Mitte nicht attraktiv für die junge Generation. Daraus kann entweder die Abwendung von der Mitte resultieren oder im schlechteren Fall die Abwendung von der Demokratie – gerade wenn aus Ermangelung eines passenden Angebots der Gang zur Wahlurne gar nicht mehr angetreten wird, denn wer einmal Nichtwähler_in ist, hat empirisch gesehen die größten Chancen, auch Nichtwähler_in zu bleiben. Seit der Corona-Pandemie und dem Erstarken der AfD machen sich immer mehr Menschen Sorgen um den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Bei jungen Menschen zeigt sich, dass Frauen und Männer gänzlich andere Schlüsse aus den Krisen ziehen. Junge Männer wählen deutlich häufiger rechte und ganz rechte und junge Frauen eher linke Parteien. Ebenso klar fallen die Unterschiede entlang des formalen Bildungsgrades aus. Doch gibt es neben den Gräben auch verbindende Themen, die alle jungen Menschen umtreiben. Insgesamt nimmt das Thema Sicherheit einen hohen Stellenwert ein. Sicherheit meint damit aber nicht nur die internationale Unsicherheit angesichts des Krieges in Europa, sondern gleichfalls die ganz individuelle Absicherung gegenüber steigenden Preisen oder der Unsicherheit mit Blick auf das Thema zukünftigen Wohnraum, sei es als Eigentum oder zur Miete. Die soziale Demokratie wird dabei häufig sowohl in den Umfragen als auch in den Fokusgruppen durchaus als grundsätzlich wählbar angesehen. Junge Menschen lehnen die SPD zwar nicht ab, sie ist für sie aber nicht greifbar und wird deshalb von ihnen seltener gewählt. Ein klareres Verhältnis haben junge Menschen zu Parteien wie den Grünen, der AfD und Die Linke, allerdings im Positiven wie im Negativen. Sie werden eindeutig mit einzelnen Themen verbunden, die für die jeweilige Gruppe entscheidend sind, wie beispielsweise dem Klimaschutz oder der Zuwanderung, und deshalb deutlicher befürwortet oder abgelehnt. Das Gefühl der politischen Bedeutungslosigkeit junger Menschen ist kein Umstand, den eine Gesellschaft einPolitik muss liefern: So können Ansprache und Beteiligung gelingen fach hinnehmen darf. Aus den Ergebnissen der Umfrage und vertiefenden Fokusgruppen ergeben sich direkte Ansatzmöglichkeiten für politische Akteure. Die Wahrnehmung der zahlenmäßigen Unterlegenheit könnte das Absenken des Wahlalters auf 16 Jahre zwar nicht vollstän dig aufheben, dennoch würde die Gruppe junger Wähler_innen anwachsen und so könnten zumindest graduell auch die intergenerationalen Mehrheitsverhältnisse angeglichen werden. Außerdem sollte die symbolische Wertschätzung der jungen Generation durch die Verantwortungszuschreibung und Aufwertung der politischen Teilhabemöglichkeiten nicht unterschätzt werden. Das Gefühl der politischen Bedeutungslosigkeit junger Menschen ist kein Umstand, den eine Gesellschaft einfach hinnehmen darf. Demokratie braucht Methode 23
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Demokratie braucht Methode : von A wie Aufsuchen bis Z wie Zukunftshandeln
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