sich aus dieser größten in einem solch kurzen Zeitraum stattfindenden Protestserie in der Geschichte der Bundesrepublik für die politische Bildung lernen? Im Sommer 2024 befragten wir als Forschungsteam des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung(ipb) Berlin im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung(FES) die Teilnehmenden zweier Großdemonstrationen in Hamburg(7. Juni) und Dresden(8. Juni). Dadurch bekamen wir einen wissenschaftlich fundierten Einblick in die Zusammensetzung der Teilnehmenden, ihre Motive und Erwartungen. Aufbauend auf den Ergebnissen dieser Studie( www.fes.de/lnk/5ll ) und unserer Perspektive aus der Protest- und Bewegungsforschung, teilen wir hier Schlussfolgerungen und Empfehlungen an die politische Bildung. Was Proteste(wirklich) bewirken können Im medialen Diskurs bewerten Journalist_innen den Erfolg von Protest meistens anhand seiner Größe und anschließend mithilfe konkreter Zahlen als Hinweise auf Politikveränderung. Im Fall der Proteste gegen Rechtsextremismus wurden immer wieder die Wahlumfragen und schließlich die Wahlergebnisse abgeglichen: 2024 die der Kom munal- und Europawahlen sowie 2025 die der Bundestagswahl. Dabei urteilten viele, die Demos hätten nichts gegen den Rechtsruck bewirkt – ohne aber zu wissen, wie diese Zahlen gewesen wären, hätte es die Proteste nicht gegeben. Ähnliches gilt für die Wahlbeteiligung. Aber auch, wenn das die offensichtlichste Wirkung von Protesten sein mag, ist dieser Fokus zu verkürzt. Die Wirkung von Protest geht weit darüber hinaus: Die Mobilisierung vieler Menschen machte das Problem des Rechtsextremismus medial sichtbar und erregte viel öffentliche Aufmerksamkeit, beeinflusste die politische Agenda und setzte die demokratischen Parteien unter Druck, sich klar zu positionieren. Der Großteil der von uns Befragten ging gar nicht davon aus, Rechtsextreme und ihre Unterstützer_innen umstimmen zu können. Sie wollten vielmehr ein öffentlich sichtbares Zeichen setzen und ähnlich Denkende zum Engagement mobilisieren. Die Bewegung gegen Rechtsextremismus konnte neue Unterstützer_innen gewinnen – viele Menschen gingen 2024 zum ersten Mal überhaupt auf die Straße und an zahlreichen kleineren Orten fand erstmals eine Demo statt. Jenseits der Außenwirkung können Proteste aber auch individuell auf die Beteiligten wirken: Die meisten der von uns Befragten gaben an, sich durch ihre Teilnahme als Teil einer großen Bewegung in ihrem demokratischen Wir-Gefühl gestärkt zu fühlen und sich mehr zu engagieren als vorher – politische Debatten(wieder) zu suchen, statt ihnen aus dem Weg zu gehen, sowie bei Diskriminierungen aktiv einzuschreiten, statt sie passiv zu beobachten. Das eigene gelebte Engagement und die Erfahrung der kollektiven Selbstwirksamkeit brachten das hervor, was wir mit politischer BilDemokratie braucht Methode 47
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Demokratie braucht Methode : von A wie Aufsuchen bis Z wie Zukunftshandeln
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