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Primärversorgungsteams für eine effiziente ambulante medizinische Versorgung
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im puls e MANAGERKREIS DER FRIEDRICH-EBERT-STIFTUNG PRIMÄRVERSORGUNGSTEAMS FÜR EINE EFFIZIENTERE AMBULANTE MEDIZINISCHE VERSORGUNG Wir brauchen eine hausarztzentrierte Versorgung für eine zukunftsfähige ambu­lante medizinische Versorgung im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung. Eine stärkere Einbindung von nicht­ärztlichem qualifiziertem Personal durch Delegation und Substitution ist notwendig. Eine engere Kooperation zwischen Haus­und Fachärzten und-ärztinnen ist unab­dingbar. Ein strenges Primärarztmodell ist heraus­fordernd, auch weil nicht genügend Haus­ärzte zur Verfügung stehen. Deswegen können sich gesetzlich Versicherte auch ein individuelles Primärversorgungsteam aus einem Hausarzt / einer Hausärztin und einem Facharzt / einer Fachärztin als direkte Anlaufstellen auswählen. Diese tauschen sich eng miteinander aus. Das Modell in Baden-Württemberg belegt seit Jahren, dass eine hausarztzentrierte Versorgung zu einer besseren Versorgung und geringeren Kosten führt. AG GESUNDHEIT IM MANAGERKREIS DER FRIEDRICH­EBERT-STIFTUNG JULI 2025 Wir verfügen in Deutschland über eine leistungsfähige, fachkompetente ambulante vertragsärztliche Versorgung. Aufgrund des doppelten demogra­phischen Effektes wird in den nächsten Jahren vermehrt medizinisch tätiges Personal in den Ruhestand wechseln. Einer gewachsenen Zahl an behand­lungsbedürftigen Patientinnen und Patienten wird zukünftig eine reduzierte Zahl an medizinischem Fachpersonal zur Verfügung stehen 1 . Der medizini­sche Fortschritt führt zu einer längeren Lebenserwartung, allerdings bislang nicht dazu, dass wir gesünder älter werden. Die Bundesrepublik verfügt über eines der teuersten Gesundheitssysteme der Welt 2 . Allerdings liegen wir im Outcome(z. B. bei der Lebenserwartung) laut OECD-Vergleich lediglich im europäischen Mittelfeld 2 . In der ambulanten ver­tragsärztlichen Versorgung fallen Doppeluntersuchungen, Ärztehopping und mangelnder Informationsaustausch zwischen den Behandlern auf. Deutsche gehen im internationalen Vergleich sehr oft zum Arzt, je nach Studie zwi­schen zehn und 17-mal pro Jahr 3 . Dadurch entstehen lange Wartezeiten. Ärztinnen und Ärzte haben wenig Zeit für die individuelle Patientenbehand­lung. Schon jetzt bekommt jeder vierte Patient, der zu seiner Hausarztpraxis geht, seinen Arzt oder seine Ärztin nicht zu sehen 4 . Hingegen suchten in 2022 knapp 20% der Patienten mindestens sechs unterschiedliche Arztpra­xen auf 5% der Patienten sogar neun 5 . Es besteht Handlungsbedarf! Die Lösung liegt in einer hausarztzentrierten Versorgung 6,7 , wie diese in den meisten europäischen Ländern bereits üblich ist(z. B. Frankreich, Niederlan­de, Dänemark). DieLotsenfunktion des Hausarztes vermeidet teure Irr­wege durch unser Gesundheitssystem und es erfolgt eine gezielte, sinnvolle Behandlungssteuerung. Eine ausschließliche primäre Behandlung durch einen Hausarzt oder eine Hausärztin ist herausfordernd 8 , da teilweise nicht genügend Hausärzte zur Verfügung stehen. Auch medizinisch ist nicht in allen Fällen ein primärer Hausarztkontakt sinnvoll. Für Behandlungen durch Gynäkologen, Augenärz­te, Zahnärzte oder durch Fachärzte bei chronischen Erkrankungen sollte die Ausnahme gemacht werden, dass diese auch zukünftig direkt aufgesucht werden können.